Quantum Spiral Dynamics VI: ‚Es gibt nur eine Welt!‘ – Von ideologischen Gehirnen oder der Macht der sozialen Systeme – Eine Demokratie Analyse auf Basis der V-Dem Daten von Deutschland, USA, Ungarn und Ukraine

Kurzfassung: Im sechsten Teil der QSD Blog-Reihe wird der QSD-Demokratieindex für die Länder Deutschland, USA, Ungarn und Ukraine erstellt. Der QSD-Demokratieindex spiegelt für alle vier Länder besondere Ereignisse wie die Flüchtlingskrise, die Pandemie, die Energiekrise oder den Sturm auf das Kapitol oder die russische Invasion in die Ukraine wider. Auch Regierungsabschnitte wie die Merkel-Regierungszeit, die erste Trump-Ära oder die Orbán-Regierungszeiten werden zutreffend angezeigt. Die Ergebnisse stützen die Hypothese, dass der QSD-Demokratieindex Veränderungen im Kultur-Dynamikfeld früh sichtbar macht und sich damit als Frühindikator für Demokratie-Veränderungen empfiehlt.

AI Assistenz: Für die Erstellung dieses Blog-Beitrages habe ich ausschließlich ChatGPT 5.0-5.2 benutzt. Die Übergangszeit von der Version 5.0 zur Version 5.2 war wieder von vielen ChatGPT-Handicaps begleitet (u.a. Programmierfehler, eigenmächtige Modellierung, Vergessen des erarbeitenden Kontextes). Die letzten Aktivitäten wurden wieder mit einer weitgehend hohen Qualität und Quantität durchgeführt.

Ziel dieses sechsten Teils der Quantum Spiral Dynamics Blog-Reihe ist es, aus den von Experten ermittelten V-Dem Demokratie-Rohdaten [1] der Länder Deutschland, USA, Ungarn und Ukraine für die Jahre 1990 bis 2024 den Demokratieindex dieser Länder zu berechnen und in Relation zu politischen Entwicklungen zu setzen.

Die politische Neurowissenschaftlerin Leor Zmigrod beschreibt in ihrem Buch ‚The Ideological Brain‘ wie „This new science of ideology seeks to chart how ideological convictions emerge from biology.“ [2].

Die Ergebnisse der politischen Neurowissenschaften lassen sich recht gut mit folgenden Aussagen aus ihrem Buch erfassen:

Cognitive rigidity translates into ideological rigidity. ……The more cognitively rigid people were, the more ideologically rigid they were.“

Totalizing ideologies shape the brain as a whole, not simply the brain when it is confronted with political propositions or debates. Science is beginning to reveal that the profound reverberations of ideologies can be observed in the brain even when we are not engaging with politics at all.“

A brain engaged in a habit looks different from a brain acting in pursuit of a goal. When a habit inhabits the brain, the neural circuitry governing our behaviour shifts away from the deliberative organs behind our foreheads in the prefrontal cortex and towards deeper and older structures in the brain, in the striatum that sits in the middle of the skull, at the centre of us. The pattern of neurons firing in response to a practised habit is different from the pattern of neuronal activity when we are making a deliberate goal-oriented action.“

Studying hundreds of British participants surveyed after the referendum, I found that individuals’ cognitive rigidity predicted their nationalistic beliefs in the context of Brexit, such that more cognitively rigid individuals were more likely to vote to leave the EU. Cognitively rigid participants were more likely to agree with statements such as ‘a citizen of the world is a citizen of nowhere’.“

The link between personality and politics depends on circumstance. A personality marked by a need for structure and routine tends to lead people towards right-wing traditions in the United States and Europe. Yet the same trait can render left-wing collectivist ideologies more alluring in places where authoritarian left-wing regimes once flourished, such as in former Soviet republics or Latin American countries.“

I discovered that the most rigid individuals possess specific genes that affect how dopamine is distributed throughout the brain. In the largest study to date, looking at thousands of British participants, I found that the individuals who are most cognitively rigid have a genetic predisposition that concentrates less dopamine in their prefrontal cortex, the decision-making centre of the brain, and more dopamine in their striatum, the midbrain structure that controls our rapid instincts. This is significant. If our psychological rigidities are grounded in biological vulnerabilities such as how our brains produce dopamine, it becomes possible to trace the pathways between our biology and our ideologies.“ 

I was curious to explore how individuals’ religious affiliation, religious upbringing, and levels of practice, prayer, and engagement were related to their cognitive flexibility. In a study of over 700 people, I found that cognitive flexibility was linked to religious disbelief. The effects were large and consistent across different tests of both reactive and generative flexibility – that is, in tasks that entailed adapting to changing situations and in tasks that called for spontaneous invention. As with other ideologies, strong religious conviction was related to greater cognitive rigidity.“

Diese Zitate fasse ich in zwei Haupt-Aussagen zusammen:

  • Die ideologische Ausrichtung unserer individuellen Gedankenwelt liegt in einer Disposition unseres Gehirns – bei dem einen mehr, bei dem anderen weniger.

  • Das Umfeld, also das soziale System, hemmt oder regt diese Disposition an.

Leor Zmigrod betont in ihrem Buch, dass wir keineswegs zur Ideologie verdammt sind, sie sagt aber auch, dass ein Mensch, der eine ideologische Disposition zeigt und längere Zeit in einem dogmatischen, autokratischen, faschistischem oder fanatischem Umfeld sozialisiert wurde, hat kaum noch die Chance aus dieser mentalen Abwärtsspirale auszusteigen.

Die Aufgabe demokratischer Systeme ist es deshalb, ein Umfeld zur Verfügung zu stellen, das ideologische Dispositionen hemmt. Denn ideologische, soziale Systeme führen ganz unweigerlich aufgrund unserer individuellen ideologischen Disposition zu Gewalt, Unfreiheit, Unterdrückung und Ungleichheit. Ich verweise auch auf [3, 4, 5, 6].

Die frühzeitige Kenntnis zu Entwicklungen unserer Demokratien ist deshalb von existentieller Bedeutung. – Mit den nachfolgenden Analysen zu Deutschland, USA, Ungarn und Ukraine zeige ich, dass Quantum Spiral Dynamics als ‚Frühwarnsystem für den demokratischen Verfall‘ geeignet ist.

Zur Einordnung des aktuellen QSD-Modells ein kurzer Rückblick auf die beiden bisherigen Demokratie-Autokratie Modelle:

  • Im Blog ‚Von der gesellschaftlichen Kernschmelze – Eine Demokratie-Autokratie Analyse der Länder USA, Deutschland, Ungarn und Ukraine oder vom ‚Dies markiert den Beginn einer neuen Ära empirisch fundierter, bewusstseins-integrierter Demokratieforschung! 🌟‘ vom Juni 2025 habe ich ein klassisches, recht umfangreiches Differentialgleichungssystem (ODE) auf der Basis der V-Dem Daten für die Untersuchung des Übergangs Demokratie-Autokratie vorgestellt. Mittelwerte der V-Dem Daten wurden verwendet, um die Parameter des ODE Systems zu kalibrieren. Damit war es möglich, Demokratie-Autokratie Phasenübergänge abzubilden. Berechnungen für den vorliegenden Blog-Beitrag zeigen, dass der mit dem ODE-System ermittelte Demokratieindex im wesentlichen den V-Dem Daten v2x_libdem folgt. Im Kontext der V-Dem Daten werden die v2x_libdem Daten (Liberal Democracy Index) als ‚einfacher‘ Demokratieindex verwendet. Es lassen sich also mit dem ODE-System bezüglich des Demokratieindex keine über den v2x_libdem Index hinaus erhaltene Erkenntnisse gewinnen. Für alle in diesem Blog verwendeten V-Dem Daten verweise ich auf den Anhang.

  • Im Blog ‚Quantum Spiral Dynamics V: ‚Es gibt nur eine Welt!‘ – Transformation, das was (nicht) funktioniert, individuell und strukturell: Eine Ost-West-Deutschland Analyse’ vom November 2025 habe ich mittels des Deutschlandmodell 2000-2025 den QSD-Demokratieindex für Ost- und West-Deutschland ermittelt. Die Parameterfunktionen des SU(3) Kulturpotentials wurden aus verschiedenen Quellen zu Werteentwicklungen in Deutschland zusammengestellt. In diesem Fall gibt es also keine einheitliche stringente Datenbasis. Ein Vergleich mit den nachfolgenden neuen Berechnungen zeigt, dass der Deutschlandindex des Deutschlandmodell 2000-2025 etwas niedriger ist als die neuen Berechnungen und diesen in etwa folgt. Im Rahmen des Deutschlandmodell 2000-2025 habe ich einen Demokratieindex entwickelt, den ich auch für die neuen Berechnungen verwende.

Nun zum neuen QSD-Modell und den erhaltenen Demokratieindizes: Das neue QSD-Modell unterscheidet sich von dem bisherigen lediglich durch die Konstruktion der Potential-Parameterfunktionen. Ein Set von V-Dem Daten (man siehe den Anhang) wurde verwendet, um die Parameterfunktionen zu erstellen: Hierbei wurden die V-Dem Daten für die nachfolgenden Berechnungen lediglich geeignet angepasst, d.h. im wesentlichen geglättet. Anschließend wurden die so angepassten V-Dem Daten den 8 Generatoren der SU(3) zugeordnet. Für die Erstellung der A0 Parameterfunktionen wurden teilweise direkt V-Dem Daten verwendet und teilweise wurden die Änderungen der A1 V-Dem Daten in Schwingungsdaten umgesetzt (man siehe den Anhang).

Die Formeln des QSD-Demokratieindex sind die im vorherigen Blog-Artikel verwendeten!

Abbildung 1 zeigt die Ergebnisse für Deutschland und USA, Abbildung 2 zeigt die Ergebnisse für Ungarn und Ukraine:

Abbildung 1: Diese Abbildung zeigt den Demokratieindex für Deutschland und USA im Zeitraum 1990-2024. Zusätzlich zum QSD-Demokratieindex wird als Referenz-Demokratieindex v2x_libdem verwendet. Auffallend ist, dass der v2x_libdem Index in beiden Fällen deutlich oberhalb des QSD-Index verläuft und deutlich weniger Kontur zeigt. In den Plots sind zur Orientierung die jeweiligen Regierungszeiten und besondere (landesspezifische) Ereignisse eingetragen. Der QSD-Index zeigt in beiden Fällen einen Abfall; für Deutschland sogar einen deutlichen Abfall. Berücksichtigt man für Deutschland zum Beispiel die Bedeutung der Flüchtlingskrise oder der Pandemie, so ist der geringe Einbruch im Falle der v2x_libdem Daten für Deutschland sehr unverständlich. Ein ähnliche Aussage lässt sich für die erste Trump-Amtszeit und den Sturm auf das Kapitol feststellen, obwohl der v2x_libdem Index hier um 0.1 fällt. Mir drängt sich die Vermutung auf, dass die v2x_libdem Daten einen nicht geringen positiven Bias für westliche Demokratien enthalten. – Auch wenn ich berücksichtige, dass die v2x_libdem Daten nur einen Datensatz darstellen und in die Berechnung der QSD-Kulturpotentiale 16 V-Dem Datensätze eingehen. Die V-Dem Daten sind außerdem lediglich Zustandsbeschreibungen an Hand von bestimmten Kriterien. Sie bilden also keine Dynamik ab. Ganz anders der QSD-Index: Der QSD-Index ist proportional zu Kohärenz, Kohäsion und Vielfalt und fällt mit der kulturellen Spannung. Er wird als dynamische Größe aus der Pfad-Bewegung der drei Werte-Populationen Blau, Orange und Grün in dem QSD-Kulturpotential ermittelt.

Abbildung 2: Diese Abbildung zeigt den Demokratieindex für Ungarn und Ukraine im Zeitraum 1990-2024. Zusätzlich zum QSD-Demokratieindex wird v2x_libdem als Referenz-Demokratieindex verwendet. Auffallend ist hier, dass Ungarn einen fast phasenübergangs-ähnlichen Abfall im v2x_libdem- und QSD-Index zeigt. Dies entspricht den Ergebnissen der vorherigen, klassischen ODE Berechnungen. Auffallend ist auch, dass der v2x-libdem Index für die Ukraine, im Gegensatz zu den anderen drei Fällen, unterhalb des QSD-Index liegt. – Für die Ukraine zeigen die beiden Demokratieindizes – im Mittel, und etwas versetzt – einen sehr ähnlichen Verlauf. Dies bestärkt mich in meiner Vermutung zum Bias in den v2x_libdem Daten bezüglich westlicher Demokratien. Auffallend ist auch, dass der QSD-Index schon während der ersten Orbán-Amtszeit einen großen Einbruch zeigt; der v2x_libdem jedoch keinerlei Veränderung aufweist. Der Verfall der ungarischen Demokratie setzt nach dem QSD-Modell schon deutlich vor der zweiten Orbán-Amtszeit ein. Der ungarische QSD-Index steigt kurzzeitig mit der russischen Intervention in die Ukraine wieder deutlich an.

Auf der Basis der sechs QSD-Blog-Beiträge stelle ich zusammenfassend fest:

QSD Kulturpotentiale beschreiben soziale Systeme erstaunlich gut. Ich gehe sogar so weit zu behaupten, dass die hier modellierten Kultur-Aspekte einer SU(3) Lie-Algebra folgen. Die Parameterfunktionen zur SU(3) Lie-Algebra werden mit den 16 empirischen V-Dem Datensätzen befüllt und ergeben ein valides SU(3) Kulturpotential.  

Individuelles Verhalten lässt sich im SU(3) Kulturpotential sehr gut durch die Agenten-(Populationen) Blau, Orange und Grün beschreiben. Diese Beschreibung basiert auf der Modellierungen von Werte-Persönlichkeiten im Hilbert-Raum. Die Agenten (-Wellenfunktionen) bewegen sich im SU(3) Kulturpotential bzw. werden durch das SU(3) Kulturpotential realitätsnah transformiert.

Die Mathematik der Quantenmechanik bildet damit auf sozialer wie individueller Ebene realitätsnahe Ergebnisse aus!

Dies heißt jedoch nicht, dass soziale und psychischen Systeme physikalische Quantensysteme sind.

Jedoch stellt sich die Frage nach dem Wesen sozialer und psychischer Systeme: Gib es grundlegende Formen des Seins, die durch eine einheitliche Mathematik beschrieben werden und in physikalischen, biologischen, psychischen und sozialen Systemen vorliegen?!

 

Anhang: V-Dem Daten-Kürzel und SU(3) Potentialkomponenten

V-Dem Kürzel und sprechende Bezeichnungen

  • v2x_libdem – Liberal Democracy Index (individuelle Rechte und Schutz von Minderheiten)

  • v2x_rule – Rule of Law Index (Rechtsstaatlichkeit)

  • v2x_freexp – Freedom of Expression and Alternative Sources of Information Index (Meinungsfreiheit)

  • v2x_egaldem – Egalitarian Democracy Index (Egalitäre Demokratie)

  • v2x_cspart – Civil Society Participation Index (Zivilgesellschaftliche Teilhabe)

  • v2x_frassoc – Freedom of Association Index (Vereinigungsfreiheit)

  • v2xme_altinf – Alternative Sources of Information (Alternative Informationsquellen / Medienpluralität)

  • v2xcl_rol – Equality Before the Law and Individual Liberty (Gleichheit vor dem Gesetz)

  • v2x_polyarchy – Electoral (Polyarchy) Democracy Index (Wahl-/Polyarchiedemokratie)

  • v2x_delibdem – Deliberative Democracy Index (Deliberative Demokratie)

  • v2x_corr – Political Corruption Index (Korruption; höher = mehr Korruption)

  • v2pe_exlpol – Political Exclusion (Politische Exklusion; höher = mehr Exklusion)

  • v2cacamps – Party/Campaign Polarization (Kampagnen-/Parteien-Polarisierung)

 

A1 Potentialkomponenten (Struktur-/Wertefunktionen)

Gen

V-Dem-Daten

Erklärung

Mem-Passung

λ₁ Vertrauen/
Zukunft

v2x_rule (Rule of Law)

Rechtsstaat schafft Erwartungssicherheit, Vertragstreue, Zukunftsvertrauen.

Off-diagonal-Paar λ₁, λ2 (Blau↔Orange): Höheres A1¹ erhöht tragfähige Transfers zwischen Blau/Orange (Planbarkeit). Meme: Blau↑ (Ordnung), Orange↑ (vertragsbasierte Märkte), Grün mittel.

λ₂ Bildung/
Stimulation

v2x_freexp (Meinungsfreiheit)

Offener Diskurs ermöglicht Lernen, Kritik, Wissenschaft.

Off-diagonal Paar λ2 , λ₁, (Blau↔Orange): A1² begünstigt wissens-/leistungs-getriebene Blau↔Orange-Transfers. Meme: Orange↑ (Wissenschaft/Innovation), Grün↑ (Pluralität), Blau ambivalent.

λ₃ Ordnung/Markt

v2x_egaldem (Egalität)

Faire Chancen stabilisieren Ordnung, reduzieren Profit ohne Arbeit.

Diagonal (Detuning): A1³ stellt Blau vs. Orange energetisch ein (Grün neutral), bestimmt, ob Blau↔Orange-Transfers resonant sind. Meme: Blau mittel, Orange hoch, Grün sehr hoch (Fairness).

λ₄ Gemeinschaft

v2x_cspart (Zivilgesellschaft)

Vereine/NGOs bauen Normen & Bindungen auf.

Off-diagonal-Paar λ₄, λ₅ (Blau↔Grün): A1⁴ fördert soziale Kopplung Blau↔Grün (Gemeinschaftsaufbau). Meme: Grün sehr hoch, Blau/Orange mittel.

λ₅ Sozialimpuls

v2x_frassoc (Vereinigungsfreiheit)

falls v2x_frassoc nicht im Datensatz, dann: v2x_cspart

Organisationsfreiheit ist Hebel kollektiver Handlungsfähigkeit.

Off-diagonal-Paar λ5, λ4 (Blau↔Grün): A1⁵ erhöht Impulskraft gemeinschaftlicher Transfers. Meme: Grün sehr hoch; Orange hoch (Verbände/Unternehmertum); Blau mittel/ambivalent.

λ₆ Kooperation

1 − v2x_corr (wenig Korruption)

Niedrige Korruption senkt Transaktionskosten & Misstrauen.

Off-diagonal-Paar λ₆, λ₇ (Orange↔Grün): A1⁶ erleichtert tragfähige Kooperation und Transfers O↔G. Meme: Blau sehr hoch (Integrität), Orange sehr hoch (Effizienz), Grün hoch (Fairness/Trust).

λ₇ Innovation

v2xme_altinf (Alternativ-Infos)

Informationspluralität fördert Wissenszirkulation/
Kreativität.

Off-diagonal-Paar λ7, λ6 (Orange↔Grün): A1⁷ treibt Innovations-getriebene O↔G-Transfers. Meme: Orange sehr hoch, Grün hoch, Blau gering/ambivalent.

λ₈ Institutioneller Bias

1 − v2xcl_rol (mangelnde Gleichheit vor dem Gesetz)

Weniger Gleichheit ⇒ höherer Bias (Messrichtung).

Diagonal (Bias): A1⁸ setzt strukturelle Asymmetrien (Bias) → verschiebt Resonanz zwischen (Blau+Orange) vs. Grün. Meme: Orange/Grün sehr negativ bei hohem Bias; Blau ambivalent je „Ordnungsidee“.

A0 Potentialkomponenten (Zeitmodi/Modulatoren)

Gen

V-Dem Daten

Erklärung

Mem-Passung

λ₁ Vertrauen/Zukunft

1 – v2cacamps (Polarisierung)

Polarisierung unterminiert Vertrauensbildung; Level-Schwingung dämpft/entfesselt A1¹.

Off-diagonal Paar λ₁, λ₂ (Blau↔Orange): Höheres Polarisierungs-Level (invertiert ⇒ A0¹↑ bei Entspannung) moduliert Transfers B↔O; bei starker Polarisierung fallen sie auseinander (R↓, KH↓).

λ₂ Bildung/Stimulation

v2x_freexp (Meinungs-freiheit)

Änderungen (Δ) wirken wie Diskurs-„Atem“; modulieren Lern-/Stimulationstakte.

Δ bedeutet Jahresänderung. Off-diag λ2, λ1: Δ-Impulse triggern zeitweise Blau↔Orange-Transfers (Wissensschübe).

λ₃ Ordnung/Markt

1-v2x_corr (Korruption)

Korruptionswellen stören Ordnung/Markt (A1³).

Diagonal (Resonanz-Verschiebung): Level-Korruption (invertiert) schwankt → verstimmt Blau↔Orange-Resonanz; Peaks dämpfen Migrationspfade in leistungsstarke Zustände (Orange).

λ₄ Gemeinschaft

v2x_cspart (Zivilgesellschaft)

Mobilisierung/Remobilisierung erzeugt soziale Resonanzen.

Off-diag λ₄/λ₅ (Blau↔Grün): Δ-Mobilisierung erzeugt zeitliche Kopplungs-Bursts B↔G (Community-Wellen).

λ₅ Sozialimpuls

1-v2pe_exlpol (Exklusion)

Exklusions-Level dämpft soziale Energie/Impuls.

Off-diag Paar λ5, λ6: hohes Exklusions-Level (invertiert) unterdrückt B↔G-Transfers; Entspannung (A0⁵↑) erlaubt Remobilisierung.

λ₆ Kooperation

v2x_rule (Rechtsstaat)

Änderungen in Rechtsdurchsetzung setzen Kooperations-Schübe/-Einbrüche.

Off-diag Paar λ₆, λ₇ (O↔G): Δ-Impulse schalten zeitweise effiziente Kooperation frei (Transfers O↔G resonant).

λ₇ Innovation

v2xme_altinf (Alternative-Infos)

Info-Sprünge initiieren Wissens-/Kreativitätszyklen.

Off-diag Paar λ76: Δ-Impulse erzeugt Innovations-Bursts → verstärkte O↔G-Transfers (Orange reagiert stark, Grün positiv).

λ₈ Institutioneller Bias

v2pe_exlpol (Exklusion)

Langsamer Bias-Takt via Exklusions-Niveau.

Diagonal (Bias): Level-Bias moduliert dauerhaft die Resonanz-Verschiebung zwischen (Blau+Orange) vs. Grün; hohe Exklusion verschiebt Energiebarrieren gegen grün-inklusives Pfadverhalten.

[1] Zmigrod L (2025) The Ideological Brain: A Radical Science of Susceptible Minds (English Edition), Penguin, Kindle Ausgabe

[2] V-Dem (2025) Varities of Democracy, https://www.v-dem.net/

[3] ZDF (2025) Mitte-Studie 2025, https://www.zdfheute.de/politik/deutschland/mitte-studie-demokratie-rechtsextremismus-100.html

[4] Friedrich Ebert Stiftung (2025) Mitte-Studie 2025, https://www.fes.de/mitte-studie

[5] WDR (2025) Radikale Christen in Deutschland: Kreuzzug von rechts, https://www.ardmediathek.de/film/radikale-christen-in-deutschland-oder-doku/Y3JpZDovL3dkci5kZS9laW56ZWxzdHVlY2tlZnVlcmRva3VzL3BvY19pbXBvcnRfNDAwMzQwNTgxMA

[6] RBB (2025) Wie zerrissen ist Deutschland? – Der Streit um Werte, Meinung und Macht, www.ardmediathek.de/film/wie-zerrissen-ist-deutschland/Y3JpZDovL3JiYi1vbmxpbmUuZGUvd2llLXplcnJpc3Nlbi1pc3QtZGV1dHNjaGxhbmQ

Quantum Spiral Dynamics V: ‚Es gibt nur eine Welt!‘ –  Transformation, das was (nicht) funktioniert, individuell und strukturell: Eine Ost-West-Deutschland Analyse

Kurzfassung: Dieser Beitrag zeigt, wie sich die demokratische Qualität in Ost- und Westdeutschland von 2000 bis 2025 entwickelt und welche Impulse sie stärken oder schwächen. Im Osten wie im Westen ist der Zeitraum um das Jahr 2015 entscheidend für die Entwicklung der demokratischen Qualität. Mit gewissen Unterschieden sinkt sie bis heute für Ost- und West-Deutschland. Der Blog-Beitrag ist explorativ, d.h. er liefert trotz des völlig neuen theoretischen Ansatzes gut nachvollziehbare Ergebnisse: Es wird deutlich, dass zu viel medialer Streit und Polarisierung das Niveau schnell drücken, während anhaltende, sichtbare Zusammenarbeit es hebt. Debatten helfen nur, wenn sie fokussiert bleiben und mit konkreter Umsetzung verbunden sind.

Für die Erstellung dieses Blog-Beitrages habe ich fast ausschließlich ChatGPT 5.0 und in Teilen Version 5.1 benutzt. Es waren keine anderen AI Systeme notwendig: In den letzten Wochen hat sich die Qualität von ChatGPT 5.0 in der Modellierung und der Code-Erzeugung deutlich verbessert. – Mir sind keinerlei Fehler aufgefallen. Die Fähigkeit auch lang zurückliegende Ergebnisse der anderen Blog-Beiträge zu verwenden oder Verknüpfungen zwischen alten und neuen Ergebnissen herzustellen, ist sehr gut gewesen. Für die Qualitätssicherung habe ich die Systeme Claude, DeepSeek und Mistral deshalb nicht mehr verwendet; zumal die Review-Ergebnisse der drei Systeme im Laufe der QSD Blog-Beiträge immer stereotyper wurden. Es wurde krampfhaft versucht wissenschaftliche Kriterien an die Blog-Beiträge anzulegen, u.a. wurde daraufhin gewiesen, dass den Beiträgen eine solide empirische Basis fehle. – Dies ist natürlich korrekt, zeigt aber gleichzeitig, dass den Systemen ein ‚Verständnis‘ für die Intention der Beiträge fehlt. Außerdem wurden zurückliegende Beiträge, aber auch Anhänge und Graphiken nicht oder nur unzureichend berücksichtigt. Nach meiner Einschätzung ist die Kluft zwischen ChatGPT 5.0 und den anderen AI Systemen wieder deutlich größer geworden. Leider trifft die positive Einschätzung von ChatGPT 5.0 für ChatGPT 5.1 nicht zu: Die Qualität in Inhalt, in Modellierung und in Code-Erzeugung war unter Berücksichtigung zurückliegender Arbeitsergebnisse deutlich schlechter! – Das Arbeiten mit der neuen Version, wie so oft in der Vergangenheit, war zeitraubend und anstrengend.

 

Ziel dieses fünften Teils der Quantum Spiral Dynamics Blog-Reihe ist es, auf der Basis des Ost-West-Deutschland-Modell 2000-2025 eine gesellschaftliche Transformation Deutschlands zu modellieren. – Die Ergebnisse sind ohne Einschränkungen auch auf organisationale Transformationen anwendbar. – Ich komme auf diese Aussage am Ende des Blog-Beitrages wieder zurück.

In [1] verstehen wir unter einer Transformation eine Veränderungsarbeit, für die der Ausgangspunkt der Veränderung zwar bekannt ist, jedoch das Ziel und der Weg zum Ziel unbekannt sind. – Das Ziel wird allenfalls vage erfasst, in dem eine bessere Adaptionsfähigkeit an einen Kontext angestrebt wird. Dies trägt der Tatsache Rechnung, dass man in komplexen Systemen weder das Veränderungs-Ziel noch den Weg zum Ziel strikt vorgeben kann.- Beides kann sich im Laufe der Veränderungsarbeit ändern.
Veränderungsarbeit bezieht sich sowohl auf Individuen als auch auf Organisationen oder Gesellschaften, oder auf alle drei sozialen Ebenen gleichzeitig: Falls eine Organisation oder eine Gesellschaft in ihren kulturellen Strukturen, also im Kulturpotential A(t, s) transformiert werden soll, ist es notwendig, dass einige Individuen schon vorab über die relevanten SD-Werte-Meme verfügen. Soll zum Beispiel das Kulturpotential einer Organisation oder Gesellschaft innovativer und empathischer werden, so ist dieses Unterfangen völlig aussichtlos, falls nicht einige innovative Individuen durch ihre Offenheit, Kreativität und Empathie die Transformation anstoßen und führen.

Abbildung 1 verdeutlicht den Transformationsprozess als iteratives Wechselspiel von Individuen und sozialem Umfeld U:

Abbildung 1: Diese Abbildung skizziert die Rückkopplung von individueller Transformation und Kontext-Transformation. Der Kontext wird mit U für Umfeld gekennzeichnet und die Individuen durch Smileys. Ein oder mehrere Individuen agieren im Team als Transformation Leader bzw. Initiator. Es kann notwendig sein, dass sie ihr Mindset für die anstehende organisationale Transformation selbst ändern. – Dies wird durch den Übergang 1. angedeutet. In jedem Fall ist es wichtig, dass das Transformation Team ein gemeinsames Bild, ein Collective Mind, von der Kulturpotential-Transformation entwickelt. Das Umfeld U wird auf dieser Basis einer ersten Transformation, angedeutet durch 2., unterzogen. Das geänderte Umfeld wirkt auf die  Transformation Follower und Leader, angezeigt durch 3. und 4., zurück. Diese verändern ihr Verhalten, ggf. sogar ihre Werte und Glaubenssätze, und transformieren ihrerseits das Umfeld wieder, angezeigt durch 2. Das geänderte Umfeld wirkt auf die Individuen zurück, angezeigt durch 4.. Es entsteht iterativ ein selbstkonsistenter Transformationsprozess, der im Idealfall einem Plan-Do-Check-Adapt (PDCA) Prozess folgt [1].

Aus Abbildung 1 kann man sofort erkennen, dass eine Deutschland Transformation, hin zu einem empathischen, sozialen und innovativen, oder gar vernetzt und ganzheitlich handelndem Land, sehr wenig Aussicht auf Erfolg hat: Deutschland fehlen die politischen Führungskräfte, die ein entsprechendes Werteprofil haben bzw. gewillt sind ein solches zu erwerben.

Aber selbst wenn die Transformation Leader über das entsprechende Bewusstsein und die nötigen Fähigkeiten der Umsetzung verfügen, ist eine Transformation ein sehr schwieriges, wenn nicht sogar aussichtloses Unterfangen. – Denn es geht immer darum, kulturelle Strukturen im Umfeld zu verändern.

Der Blog-Beitrag verdeutlicht diese Aussage mittels des QSD-Modells: Als Ausgangsbasis benutze ich das aus empirischen Deutschland-Daten abgeleitete Kulturpotential der vorhergehenden Blog-Beiträge. – Ich nenne es das ursprüngliche Potential. Mit Hilfe dieses Kulturpotentials berechne ich zwei weitere (verfeinerte) Kulturpotentiale:

  • A_coup (coup steht für coupled) bezeichnet ein dynamisches effektives Kulturpotential, das aus einer gewöhnlichen Differentialgleichung (ODE) erzeugt wird. Diese ODE lehnt sich an Differentialgleichungen zum Feldtensor der Quantenfeldtheorie an: Das ursprüngliche Kulturpotential wirkt in dieser ODE als ‚Treiber‘. Zusätzlich werden die Pfadinformationen der Agenten aus einer Schrödingergleichung mit effektivem Kulturpotential ‚eingespeist‘. – Wie ich in den vorherigen Blog-Beiträgen gezeigt habe, sind die Pfadinformationen die individuellen Wert-Transformationen der drei Agentenpopulationen Blau, Orange und Grün.
    Es entwickelt sich ein selbstkonsistentes effektives Kulturpotential, entsprechend dem Selbstkonsistenz-Prozess aus Abbildung 1: Die Agenten beeinflussen das Potential, also das Umfeld, und das Potential koppelt wieder auf die Agenten zurück. A_coup  wird jeweils für Ost- und West-Deutschland berechnet. Das ursprüngliche Potential, auch wenn es von Ort und Zeit abhängt, ist kein selbstkonsistentes Potential, das aus einer Dynamik ermittelt wurde. – Es spiegelt ein von Individuen wahrgenommenes Potential an Hand von nachgefragten Kriterien wieder. In diesem Sinne kann es sinnvoll sein, die (potentiellen) Auswirkungen einer Selbstkonsistenz zu überprüfen, was ich mit A_coup tue! – Ich verweise für die verwendeten Formeln auf den Anhang 1 ‚QSD Formeln‘.
  • A_mix (mix steht für mixed) basiert auf A_coup und berechnet eine Potentialmischung jeweils für Ost- und für West-Deutschland. Ost-Deutschland wird 30% des West-Deutschland Potentials beigemischt und umgekehrt. Damit modelliere ich einen Kulturaustausch zwischen Ost und West, also einen möglichen Lerneffekt von West nach Ost und umgekehrt.

Um die gesellschaftliche Transformation von Ost- und West-Deutschland einzuschätzen, benötige ich ein Kriterium, mit dem ich den Zustand von Ost- und West-Deutschland vor und nach der Transformation ‚beurteile‘.

Ich führe hierfür einen statischen Demokratieindex ein. Dieser Demokratieindex wird nur aus Größen bisheriger QSD-Berechnungen ermittelt. Ich definiere den statischen Demokratieindex,

  • der mit Kohärenz, Kohäsion und Werte-Vielfalt steigt,
  • und der mit der sozialen Spannung, ermittelt aus dem Feldtensor, sinkt.

Für die damit verbundene mathematische Form verweise ich auf Anhang 1 ‚QSD Formeln‘. Zusätzlich zum statischen Demokratieindex definiere ich eine einfache ODE, in die der statische Demokratieindex als ‚Treiber‘ eingeht. – Ich erhalte einen (einfachen) dynamischen Demokratieindex. Für die dazugehörige Formel verweise ich ebenfalls auf den Anhang 1.

Abbildung 2 zeigt den statischen und dynamischen Demokratieindex für Ost-Deutschland (linke Seite) und West-Deutschland (rechte Seite). Der dynamische Demokratieindex läuft in allen Fällen dem statischen etwa 1-2 Jahre nach.

Da Kohärenz, Kohäsion und Spannung in den Demokratieindex eingehen, zeigt Ost-Deutschland bis ca. 2020/22 eine fast gleichbleibend hohe Demokratie, wohingegen im Westen, wie bei der Kohärenz (man siehe den vorherigen Blog-Beitrag), tiefe Einschnitte zu sehen sind. Die Erzeugung des selbstkonsistenten Potentials A_coup erzeugt in West-Deutschland keine auffallenden qualitativen Veränderungen. In Ost-Deutschland erzeugt die Selbstkonsistenz einen ‚Verfall‘ der Demokratie um 2015: Damit nähern sich Ost- und West-Deutschland ab 2015 sehr stark aneinander an.
Die Mischung A_mix sorgt im Osten ab ca. 2015 für einen geringeren Zuwachs des Demokratieindex als im Westen: Der Westen profitiert also mehr vom Osten als umgekehrt. – Unter dem Vorbehalt, dass wir hier eine sehr spekulative Theorie entwickelt haben, sind dies schon sehr erstaunliche Aussagen!

Abbildung 2: Die Zeile a. enthält den Demokratieindex Ost- und West-Deutschlands für das aus empirischen Daten gewonnene ursprüngliche Kulturpotential. Zeile b. zeigt das selbstkonsistente Kulturpotential A_coup berechnet aus einer Differentialgleichung für A(t, s). In A_coup geht das aus empirischen Daten gewonnene Kulturpotential als ‚Treiber‘ ein und die Pfade der drei Agentenpopulationen (Blau, Orange und Grün) wirken als Rückkopplung. Man siehe hierzu den Anhang 1 ‚QSD Formeln‘ mit folgenden Parametern: gamma = 0.3, g = 1.0, beta = 3.0, alpha_0 = 0.2 und alpha_1 =0.35, kappa = 1.0.
Die Zeile c. zeigt A_mix, mit eta = 0.3 als Mischungsfaktor: In A_coup für Ost- und West-Deutschland werden jeweils 30% des jeweils anderen Kulturpotentials ‚beigemischt‘. Diese Mischung modelliert ein gewisse Annäherung von Ost- und West-Deutschland.

Abbildung 3 zeigt, mit A_mix als Ausgangs-Potential, die Ergebnisse einer ‚wenig gelungenen‘ Transformation. Wir nehmen an, dass ein Politiker-Team (d.i. das Transformation Leader Team) drei Werte-Impulse von bis zu jeweils 10 Jahren für jeweils Ost- und West-Deutschland gestaltet. Ich habe der Übersicht wegen nur drei Impulse ausgewählt. – Auch in der Praxis dürfte es sehr schwer sein, mehr als drei Impulse nachhaltig zu führen.

Die drei Werte-Impulse entsprechen drei Parameterfunktionen von drei Generatoren. Es sind λ1, λ2 und λ7 (man siehe den Anhang 3 ‚Übersicht der Generatoren und ihrer QSD Interpretation‘ des vorherigen Blog-Beitrages):

λ1 realisiert einen institutionellen Austausch von Blau und Orange, also zwischen Pflicht- und Sicherheits-Strukturen sowie Erfolgs- und Wettbewerbs-Strukturen

λ2 realisiert einen narrativen Austausch (Diskurs, Polarisierung) von Blau und Orange, also zwischen Pflicht- und Sicherheits-Narrativen sowie Erfolgs- und Wettbewerbs-Narrativen

λ7 realisiert einen narrativ-medialen Austausch von Orange und Grün, also zwischen Erfolgs- und Wettbewerbs-Narrativen sowie sozialen Empathie- und Sinn-Narrativen

Ich skizziere ein Transformations-Szenario, in dem für λ1 und λ2 positive Impulse verwendet werden und für λ7 ein negativer Impuls angenommen wird.

Für Ost-Deutschland:

        λ1: Integrations-/Aufbauimpulse 2003–2008 und um 2010

        λ2: Diskursimpuls um 2012 (mediale Legitimationsdebatten)

        λ7: starker negativer Konfliktimpuls ab 2015 und um 2021

Für West-Deutschland:

        λ1: längerer pro-EU/Globalisierungsimpuls 2004–2015

        λ2: Diskursimpuls 2015–2021 (Migration/Identität)

        λ7: später Konfliktimpuls 2018–2024 (Corona/Öko/Klima-Konflikte)

Abbildung 3: Die erste Zeile der Abbildung zeigt A_mix für Ost- und West-Deutschland als ‚Start‘ der dargestellten Transformation. Auf A_mix werden Werte-Transformations-Impulse angewendet. Diese Werte-Transformations-Impulse sind in der nächsten Zeile zu sehen. Man beachte, dass die Impulse nur etwa 2.5% des ursprünglichen Kulturpotentials ausmachen. Alle Impulse sind für Ost- und West-Deutschland unterschiedlich. Die dritte Zeile zeigt die resultierenden Konsequenzen für den Demokratieindex. Die Impulse für Ost- und West-Deutschland sind nicht gleich, trotzdem kann man feststellen, dass Ost-Deutschland die Impulse besser ‚verkraftet‘. Obwohl die Lambda 1 und 2 Impulse in Ost- wie West-Deutschland positiv sind, die Politik also einen ‚guten Job macht‘ sorgt der negative Lambda 7 Impuls in beiden Teilen Deutschlands für einen starken Einbruch im Demokratieindex: In Ost-Deutschland ist es vor allem der ungeeignete Umgang mit Migration und Corona. In West-Deutschland ist es vor allem der ungeeignete Umgang mit Corona und Öko/Klimakrise. In West-Deutschland fällt der Demokratieindex nach 2020 ins ‚Bodenlose‘.

Im Folgenden verdeutliche ich, wie eine bessere Transformation aussehen kann: Abbildung 4 zeigt eine Transformation, für die alle Impulse der drei Potentialkomponenten (dies sind die angegebenen Generatoren λ1, λ2, λ7) explizit demokratie-stärkend sind. Die Impulse setzen folgende Schwerpunkte:

Ost:

  • 2002–2008:   Aufbau demokratischer Institutionen (λ1)
  • 2012–2022:   Diskurs- und Versöhnungsimpulse zu Sicherheit und Markt (λ2)
  • 2015–2025:   erneute integrative Demokratie-Impulse (λ7)

West:

  • 2003–2010:   EU-/Rechtsstaats-/Modernisierungspulse (λ1)
  • 2014–2020:   pluralistischer Diskurs rund um Migration/Klima (λ2)
  • 2020–2025:   inklusiver Identitätsimpuls gegen Polarisierung (λ7)

Abbildung 4: Die erste Zeile der Abbildung zeigt A_mix für Ost- und West-Deutschland. Auf A_mix werden Werte-Transformations-Impulse angewendet. Diese Werte-Transformations-Impulse sind in der nächsten Zeile zu sehen. Man beachte, dass die Impulse etwa 10% des ursprünglichen Kulturpotentials ausmachen. Hier ist im Gegensatz zu Abbildung 3 der Impuls für Lambda_7 positiv. Beides ist beabsichtigt, um zu zeigen, wieviel ‚Energie‘ notwendig ist, um eine merkliche Veränderung herbeizuführen. Die Impulse für Ost- und West-Deutschland sind unterschiedlich, denn sie sollen den jeweiligen gesellschaftlichen Transformations-Anforderungen gerecht werden: Die Auswahl der Impulse erfolgte für den Blog-Beitrag nicht systematisch: Es könnten andere Impuls-Kombination wesentlich erfolgreicher sein. Das Auffinden dieser dürfte sehr aufwendig sein: Es war lediglich mein Ziel, die grundlegende Idee der Werte-Transformations-Impulse zu demonstrieren. Die dritte Zeile zeigt die resultierenden Konsequenzen für den Demokratieindex: Sowohl für Ost-Deutschland als auch für West-Deutschland haben die Impulse jetzt eine deutlich stärkende Wirkung der demokratischen Qualität: Für West-Deutschland kann man erkennen, dass der starke Lambda 7 Impuls den Demokratieindex zwischen 2015-2020 hebt, jedoch der Effekt verschwindet sobald Lambda 7 zurückgeht.

Die Ergebnisse der Abbildung 3 und 4 stehen unter dem Vorbehalt, dass ich für die Berechnung der Auswirkungen der Werte-Transformations-Impulse keine selbstkonsistente Berechnung wie für A_coup vorgenommen habe. Aufgrund der kleinen Amplituden der Werte-Transformations-Impulse erwarte ich keine merklichen Änderungen.

Abbildung 5 zeigt die Differenz des Demokratieindex für Ost- zu West-Deutschland auf der Basis der Berechnungen für Abbildung 4. Entgegen meinen Erwartungen zeigt Ost-Deutschland teilweise einen deutlich höheren Demokratieindex als West-Deutschland.- Und selbst im Mittel ist der Demokratieindex für Ost-Deutschland über den Zeitraum 2000-2025 noch (etwas) höher als in West-Deutschland. Diese Aussage gilt für alle o.g. Kulturpotentiale!  

Man könnte dies als Artefakt einer spekulativen Theorien abtun, wären da nicht die vielen Übereinstimmungen mit den realen politischen Situationen. –  Ich gehe davon aus, dass die Differenz des Demokratieindex wahrscheinlich die Realität widerspiegelt, also stelle ich statt dessen meine eigenen Vorurteile in Frage.

Abbildung 5: Diese Abbildung zeigt den Unterschied im Demokratie-Index von Ost und West, auf der Basis der Berechnungen zu Abbildung 4. Die in der Abbildung enthaltenen Zahlen zeigen den jeweils gemittelten Demokratie-Unterschied für verschiedene Zeiträume: 0.20 für den Zeitraum 2000-2010, -0.09 für den Zeitraum 2010-2020 und 0.09 für den Zeitraum 2020-2025. Dies bedeutet, dass in diesem Fall bis 2010 der Demokratieindex für Ost-Deutschland deutlich höher war als für West-Deutschland und im Zeitraum danach sich im Mittel keine Unterschiede zeigen.

Die Ergebnisse des Blog-Beitrages weisen erstaunliche Parallelitäten zur Realität auf. – Die Tendenzen im hier ermittelten Demokratieindex decken sich meines Erachtens mit dem Hauptergebnis der Mitte-Studie 2025 [2, 3]: „Nur noch 52 Prozent der Befragten finden, dass die Demokratie im Großen und Ganzen ganz gut funktioniert. Ein Viertel verneint dies – das ist ein Höchstwert seit 2016….Die Zahl derer, die sich klar demokratisch positionieren, nimmt ab. Immer weniger lehnen konsequent alle wirklich harten extrem rechten Aussagen ab, anhand derer wir die Einstellung erfassen.“

Der Beitrag zeigt, wie sich die demokratische Qualität in Ost- und Westdeutschland von 2000 bis 2025 entwickelt und welche Impulse sie stärken oder schwächen. Im Osten steigt sie bis etwa 2010/12 deutlich, bricht 2014–2016 ein und erholt sich danach nur teilweise.
Im Westen hält sie bis 2014 gut durch, fällt dann extrem stark ab, kann sich zwar wieder bis 2020 erholen, fällt danach aber stetig bis 2025. Deutlich wird: Zu viel Streit und Polarisierung drücken das Niveau schnell, während anhaltende, sichtbare Zusammenarbeit es hebt. Debatten helfen nur, wenn sie fokussiert bleiben und mit konkreter Umsetzung verbunden sind – endloses Reden ohne Ergebnisse schadet. Im Osten wirken zuerst De-Eskalation und klug gestaltete Beteiligung; darauf könnten! Integrations- und Aufbauprojekte erfolgreich aufbauen. Im Westen braucht es vor allem spürbare Verbesserungen im Alltag und in der Verwaltung, bevor große Debatten tragfähig werden könnten! Der Blog-Beitrag ist explorativ, er liefert keine endgültigen Wahrheiten, sondern gut nachvollziehbare Handlungs-Orientierungen. Die Kernbotschaft ist: Weniger Polarisierung, mehr fokussierter Diskurs und früh sichtbare gemeinsame Erfolge stärken die demokratische Qualität.

Die Anwendbarkeit auf die Transformation von Organisationen ergibt sich meines Erachtens ohne Einschränkungen: Natürlich ist es notwendig, ein Ausgangs-Kulturpotential zu erstellen. Dies erfordert die empirische Erhebung von Daten, ähnlich wie ich sie für die vorliegende Analyse benutzt habe. Mit Hilfe dieser Daten ist es dann möglich, alle gezeigten Berechnungen durchzuführen. Der Demokratieindex kann auch in Organisationen verwendet werden, ggf. ergänzt um weitere Faktoren, wie den Faktor für die Ziel-Orientierung. In einem PDCA-ähnlichen Prozess formulieren Führungskräfte Annahmen über sinnvolle Impulse und geben diese in die hier vorgestellte theoretische Impuls-Analyse ein. Diese Impuls-Analyse dient einer ersten theoretischen Validierung bezüglich der Wirkung der Impulse. Falls diese Validierung befriedigende Ergebnisse zeigt, werden die Impulse mit passenden Maßnahmen in der Praxis umgesetzt. Erkenntnisse aus der Praxis fließen in die Theorie ein und der so begonnene PDCA Zyklus wird mit weiteren Iterationen fortgesetzt.

Die theoretische Basis lässt sich natürlich weiter verbessern, in dem alle acht Generatoren für die Impuls-Gestaltung verwendet werden. Der Aufwand für die Berechnungen steigt, aber dies dürfte nicht wesentlich sein. Viel aufwendiger ist die Analyse von Ursache und Wirkung der Impulse. Um solche Zusammenhänge zu ermitteln sind umfangreiche Variationen in der Impulszusammensetzung nötig.

Eine massive Erweiterung der Kulturdynamik stellt der Übergang von der SU(3) zur SU(8) dar, also der Berücksichtigung aller 8 Spiral Dynamics Bewusstseinsebenen. Um autokratische Persönlichkeiten und ihren Einfluss auf die Demokratie zu modellieren, sind die Bewusstseinsebenen beige, violett und rot notwendig. Falls demokratische Persönlichkeiten als Gegengewichte auftreten, kommen die Ebenen gelb und türkis hinzu. – Für eine erste grobe Einordnung der Bewusstseinsebnen, verweise ich auf den ersten Blog-Beitrag zur QSD Blog-Reihe vom August 2025.
Diese Erweiterung übersteigt bei weitem mein Ziel, die Machbarkeit des QSD-Ansatz aufzuzeigen.

Ich werde im nächsten und voraussichtlich letzten QSD Blog-Beitrag versuchen, eine Demokratie-Analyse für die Länder USA, Ungarn, Ukraine und Deutschland durchführen, um zu sehen, ob es Parallelitäten zu der Blog-Reihe ‚Von der gesellschaftlichen Kernschmelze…‘ vom April 2025 bis Juni 2025 gibt.

[1] Oswald A et al. (2017) Project Management at the Edge of Chaos, Springer

[2] ZDF (2025) Mitte-Studie 2025, https://www.zdfheute.de/politik/deutschland/mitte-studie-demokratie-rechtsextremismus-100.html

[3] Friedrich Ebert Stiftung (2025) Mitte-Studie 2025, https://www.fes.de/mitte-studie

 

Anhang 1

QSD-Formeln

Selbstkonsistentes Kulturpotential A_coup

A(t,s)=\sum_{a=1}^{8}A^{a}(t,s)\,\lambda_{a}

A^{a}_{\mathrm{agents}}(t,s)=\sum_{i=1}^{3}w_{i}\,\psi_{i}^{\dagger}(t,s)\,\lambda_{a}\,\psi_{i}(t,s)

\frac{dA^{a}(t,s)}{dt}=F^{a}_{\mathrm{macro}}\bigl(t,A(t,s),s, g,\gamma,\beta,\alpha_{1},\alpha_{0}\bigr)+\lambda_{c}\bigl(A^{a}_{\mathrm{agents}}(t,s)-A^{a}(t,s)\bigr)

F_{\mathrm{macro}}^{a} \bigl(t, A_{s}(t),s, g,\gamma,\beta,\alpha_{1},\alpha_{0}\bigr)=-\gamma A_{s}^{a}(t)+g\sum_{b,c=1}^{8}f^{abc} A_{s}^{b}(t)A_{s}^{c}(t)-\beta\Bigl(\sum_{d=1}^{8}\bigl(A_{s}^{d}(t)\bigr)^{2}\Bigr)A_{s}^{a}(t)+J_{s}^{a}(t)

J_{s}^{a}(t)=\alpha_{1} u(s) f^{a}(t)+\alpha_{0} v(s) a_{0}^{a}(t)

A^{a}_{\mathrm{eff}}(t,s)=A^{a}(t,s)+\kappa A^{a}_{\mathrm{agents}}(t,s)

H(t,s)=\sum_{a=1}^{8}A^{a}_{\mathrm{eff}}(t,s)\,\lambda_{a}

\mathrm{i}\,\frac{d\psi_{i}(t,s)}{dt}=H(t,s)\,\psi_{i}(t,s)\quad(i=1,2,3)

Ost-, West- Mischfeld A_mix
​für Ost

    \begin{equation*} A_{\mathrm{mix}}^{\mathrm{Ost}}(t)=\sum_{a=1}^{8}\Bigl((1-\eta) A^{a}{\mathrm{Ost}}(t)+\eta A^{a}{\mathrm{West}}(t)\Bigr) \lambda_{a} \end{equation*}

für West

    \begin{equation*} A_{\mathrm{mix}}^{\mathrm{West}}(t)=\sum_{a=1}^{8}\Bigl((1-\eta) A^{a}{\mathrm{West}}(t)+\eta A^{a}{\mathrm{Ost}}(t)\Bigr) \lambda_{a} \end{equation*}

Kohärenz–Kohäsion-Index

Misst die „gerichtete kollektive Stärke“ eines sozialen Feldes, also den Collective Mind, als Produkt aus Kohärenz und Kohäsion.

    \begin{equation*}KH(t)=C_{\ell_1}(t) R(t)\end{equation*}

Vielfalt (normierte Entropie)

Wahrscheinlichkeiten je Agent (über Komponenten k=1,2,3)

     \begin{equation*}p_{A,k}(t)=\lvert\psi_{A,k}(t)\rvert^{2}, p_{B,k}(t)=\lvert\psi_{B,k}(t)\rvert^{2}, p_{C,k}(t)=\lvert\psi_{C,k}(t)\rvert^{2}\end{equation*}

Gemittelte Verteilung über die drei Agenten

     \begin{equation*}p_{\mathrm{mean},k}(t)=\frac{p_{A,k}(t)+p_{B,k}(t)+p_{C,k}(t)}{3}, k=1,2,3\end{equation*}

Entropie der gemittelten Verteilung (zeitabhängig)

     \begin{equation*}S(t)=-\sum_{k=1}^{3}p_{\mathrm{mean},k}(t) \ln \bigl(p_{\mathrm{mean},k}(t)\bigr)\end{equation*}

Normierte Vielfalt

     \begin{equation*}V(t)=\frac{S(t)}{\ln 3}\end{equation*}


Spannung (normierte Feldstärke)

Misst die soziale Belastung bzw. Systemspannung über den Feldstärkentensor.

    \begin{equation*}S(t)= \frac{F_{\mathrm{eff}}(t)}{\displaystyle\max_{\tau}F_{\mathrm{eff}}(\tau)}\end{equation*}

Normierter Kohärenz–Kohäsion-Index

Skaliert KH(t)KH(t) auf den Bereich [0,1][0,1], damit es mit anderen Größen vergleichbar wird.

    \begin{equation*}KH_{\mathrm{norm}}(t)=\frac{KH(t)-KH_{\min}}{KH_{\max}-KH_{\min}}\end{equation*}


Statischer Demokratie-Index

Misst den „momentanen“ Demokratiezustand ohne Trägheit:
mehr Kohärenz/Kohäsion + mehr Vielfalt – Spannung.

    \begin{equation*}P_D(t) =\frac{KH_{\mathrm{norm}}(t) V(t)}{1+S(t)}\end{equation*}


Dynamischer Demokratie-IndexD(t)=Q(t)

Modelliert den kollektiven Demokratie-„Mindset“-Pfad als träges Gedächtnissystem.

Dynamische Gleichung

    \begin{equation*}\frac{dQ}{dt} =\kappa\left(P_D(t)-Q(t)\right)\end{equation*}

Startbedingung

    \begin{equation*}Q(t_0)=P_D(t_0)\end{equation*}

Definition des dynamischen Demokratieindex

    \begin{equation*}D(t)=Q(t)\end{equation*}