Quantum Spiral Dynamics VI: ‚Es gibt nur eine Welt!‘ – Von ideologischen Gehirnen oder der Macht der sozialen Systeme – Eine Demokratie Analyse auf Basis der V-Dem Daten von Deutschland, USA, Ungarn und Ukraine

Kurzfassung: Im sechsten Teil der QSD Blog-Reihe wird der QSD-Demokratieindex für die Länder Deutschland, USA, Ungarn und Ukraine erstellt. Der QSD-Demokratieindex spiegelt für alle vier Länder besondere Ereignisse wie die Flüchtlingskrise, die Pandemie, die Energiekrise oder den Sturm auf das Kapitol oder die russische Invasion in die Ukraine wider. Auch Regierungsabschnitte wie die Merkel-Regierungszeit, die erste Trump-Ära oder die Orbán-Regierungszeiten werden zutreffend angezeigt. Die Ergebnisse stützen die Hypothese, dass der QSD-Demokratieindex Veränderungen im Kultur-Dynamikfeld früh sichtbar macht und sich damit als Frühindikator für Demokratie-Veränderungen empfiehlt.

AI Assistenz: Für die Erstellung dieses Blog-Beitrages habe ich ausschließlich ChatGPT 5.0-5.2 benutzt. Die Übergangszeit von der Version 5.0 zur Version 5.2 war wieder von vielen ChatGPT-Handicaps begleitet (u.a. Programmierfehler, eigenmächtige Modellierung, Vergessen des erarbeitenden Kontextes). Die letzten Aktivitäten wurden wieder mit einer weitgehend hohen Qualität und Quantität durchgeführt.

Ziel dieses sechsten Teils der Quantum Spiral Dynamics Blog-Reihe ist es, aus den von Experten ermittelten V-Dem Demokratie-Rohdaten [1] der Länder Deutschland, USA, Ungarn und Ukraine für die Jahre 1990 bis 2024 den Demokratieindex dieser Länder zu berechnen und in Relation zu politischen Entwicklungen zu setzen.

Die politische Neurowissenschaftlerin Leor Zmigrod beschreibt in ihrem Buch ‚The Ideological Brain‘ wie „This new science of ideology seeks to chart how ideological convictions emerge from biology.“ [2].

Die Ergebnisse der politischen Neurowissenschaften lassen sich recht gut mit folgenden Aussagen aus ihrem Buch erfassen:

Cognitive rigidity translates into ideological rigidity. ……The more cognitively rigid people were, the more ideologically rigid they were.“

Totalizing ideologies shape the brain as a whole, not simply the brain when it is confronted with political propositions or debates. Science is beginning to reveal that the profound reverberations of ideologies can be observed in the brain even when we are not engaging with politics at all.“

A brain engaged in a habit looks different from a brain acting in pursuit of a goal. When a habit inhabits the brain, the neural circuitry governing our behaviour shifts away from the deliberative organs behind our foreheads in the prefrontal cortex and towards deeper and older structures in the brain, in the striatum that sits in the middle of the skull, at the centre of us. The pattern of neurons firing in response to a practised habit is different from the pattern of neuronal activity when we are making a deliberate goal-oriented action.“

Studying hundreds of British participants surveyed after the referendum, I found that individuals’ cognitive rigidity predicted their nationalistic beliefs in the context of Brexit, such that more cognitively rigid individuals were more likely to vote to leave the EU. Cognitively rigid participants were more likely to agree with statements such as ‘a citizen of the world is a citizen of nowhere’.“

The link between personality and politics depends on circumstance. A personality marked by a need for structure and routine tends to lead people towards right-wing traditions in the United States and Europe. Yet the same trait can render left-wing collectivist ideologies more alluring in places where authoritarian left-wing regimes once flourished, such as in former Soviet republics or Latin American countries.“

I discovered that the most rigid individuals possess specific genes that affect how dopamine is distributed throughout the brain. In the largest study to date, looking at thousands of British participants, I found that the individuals who are most cognitively rigid have a genetic predisposition that concentrates less dopamine in their prefrontal cortex, the decision-making centre of the brain, and more dopamine in their striatum, the midbrain structure that controls our rapid instincts. This is significant. If our psychological rigidities are grounded in biological vulnerabilities such as how our brains produce dopamine, it becomes possible to trace the pathways between our biology and our ideologies.“ 

I was curious to explore how individuals’ religious affiliation, religious upbringing, and levels of practice, prayer, and engagement were related to their cognitive flexibility. In a study of over 700 people, I found that cognitive flexibility was linked to religious disbelief. The effects were large and consistent across different tests of both reactive and generative flexibility – that is, in tasks that entailed adapting to changing situations and in tasks that called for spontaneous invention. As with other ideologies, strong religious conviction was related to greater cognitive rigidity.“

Diese Zitate fasse ich in zwei Haupt-Aussagen zusammen:

  • Die ideologische Ausrichtung unserer individuellen Gedankenwelt liegt in einer Disposition unseres Gehirns – bei dem einen mehr, bei dem anderen weniger.

  • Das Umfeld, also das soziale System, hemmt oder regt diese Disposition an.

Leor Zmigrod betont in ihrem Buch, dass wir keineswegs zur Ideologie verdammt sind, sie sagt aber auch, dass ein Mensch, der eine ideologische Disposition zeigt und längere Zeit in einem dogmatischen, autokratischen, faschistischem oder fanatischem Umfeld sozialisiert wurde, hat kaum noch die Chance aus dieser mentalen Abwärtsspirale auszusteigen.

Die Aufgabe demokratischer Systeme ist es deshalb, ein Umfeld zur Verfügung zu stellen, das ideologische Dispositionen hemmt. Denn ideologische, soziale Systeme führen ganz unweigerlich aufgrund unserer individuellen ideologischen Disposition zu Gewalt, Unfreiheit, Unterdrückung und Ungleichheit. Ich verweise auch auf [3, 4, 5, 6].

Die frühzeitige Kenntnis zu Entwicklungen unserer Demokratien ist deshalb von existentieller Bedeutung. – Mit den nachfolgenden Analysen zu Deutschland, USA, Ungarn und Ukraine zeige ich, dass Quantum Spiral Dynamics als ‚Frühwarnsystem für den demokratischen Verfall‘ geeignet ist.

Zur Einordnung des aktuellen QSD-Modells ein kurzer Rückblick auf die beiden bisherigen Demokratie-Autokratie Modelle:

  • Im Blog ‚Von der gesellschaftlichen Kernschmelze – Eine Demokratie-Autokratie Analyse der Länder USA, Deutschland, Ungarn und Ukraine oder vom ‚Dies markiert den Beginn einer neuen Ära empirisch fundierter, bewusstseins-integrierter Demokratieforschung! 🌟‘ vom Juni 2025 habe ich ein klassisches, recht umfangreiches Differentialgleichungssystem (ODE) auf der Basis der V-Dem Daten für die Untersuchung des Übergangs Demokratie-Autokratie vorgestellt. Mittelwerte der V-Dem Daten wurden verwendet, um die Parameter des ODE Systems zu kalibrieren. Damit war es möglich, Demokratie-Autokratie Phasenübergänge abzubilden. Berechnungen für den vorliegenden Blog-Beitrag zeigen, dass der mit dem ODE-System ermittelte Demokratieindex im wesentlichen den V-Dem Daten v2x_libdem folgt. Im Kontext der V-Dem Daten werden die v2x_libdem Daten (Liberal Democracy Index) als ‚einfacher‘ Demokratieindex verwendet. Es lassen sich also mit dem ODE-System bezüglich des Demokratieindex keine über den v2x_libdem Index hinaus erhaltene Erkenntnisse gewinnen. Für alle in diesem Blog verwendeten V-Dem Daten verweise ich auf den Anhang.

  • Im Blog ‚Quantum Spiral Dynamics V: ‚Es gibt nur eine Welt!‘ – Transformation, das was (nicht) funktioniert, individuell und strukturell: Eine Ost-West-Deutschland Analyse’ vom November 2025 habe ich mittels des Deutschlandmodell 2000-2025 den QSD-Demokratieindex für Ost- und West-Deutschland ermittelt. Die Parameterfunktionen des SU(3) Kulturpotentials wurden aus verschiedenen Quellen zu Werteentwicklungen in Deutschland zusammengestellt. In diesem Fall gibt es also keine einheitliche stringente Datenbasis. Ein Vergleich mit den nachfolgenden neuen Berechnungen zeigt, dass der Deutschlandindex des Deutschlandmodell 2000-2025 etwas niedriger ist als die neuen Berechnungen und diesen in etwa folgt. Im Rahmen des Deutschlandmodell 2000-2025 habe ich einen Demokratieindex entwickelt, den ich auch für die neuen Berechnungen verwende.

Nun zum neuen QSD-Modell und den erhaltenen Demokratieindizes: Das neue QSD-Modell unterscheidet sich von dem bisherigen lediglich durch die Konstruktion der Potential-Parameterfunktionen. Ein Set von V-Dem Daten (man siehe den Anhang) wurde verwendet, um die Parameterfunktionen zu erstellen: Hierbei wurden die V-Dem Daten für die nachfolgenden Berechnungen lediglich geeignet angepasst, d.h. im wesentlichen geglättet. Anschließend wurden die so angepassten V-Dem Daten den 8 Generatoren der SU(3) zugeordnet. Für die Erstellung der A0 Parameterfunktionen wurden teilweise direkt V-Dem Daten verwendet und teilweise wurden die Änderungen der A1 V-Dem Daten in Schwingungsdaten umgesetzt (man siehe den Anhang).

Die Formeln des QSD-Demokratieindex sind die im vorherigen Blog-Artikel verwendeten!

Abbildung 1 zeigt die Ergebnisse für Deutschland und USA, Abbildung 2 zeigt die Ergebnisse für Ungarn und Ukraine:

Abbildung 1: Diese Abbildung zeigt den Demokratieindex für Deutschland und USA im Zeitraum 1990-2024. Zusätzlich zum QSD-Demokratieindex wird als Referenz-Demokratieindex v2x_libdem verwendet. Auffallend ist, dass der v2x_libdem Index in beiden Fällen deutlich oberhalb des QSD-Index verläuft und deutlich weniger Kontur zeigt. In den Plots sind zur Orientierung die jeweiligen Regierungszeiten und besondere (landesspezifische) Ereignisse eingetragen. Der QSD-Index zeigt in beiden Fällen einen Abfall; für Deutschland sogar einen deutlichen Abfall. Berücksichtigt man für Deutschland zum Beispiel die Bedeutung der Flüchtlingskrise oder der Pandemie, so ist der geringe Einbruch im Falle der v2x_libdem Daten für Deutschland sehr unverständlich. Ein ähnliche Aussage lässt sich für die erste Trump-Amtszeit und den Sturm auf das Kapitol feststellen, obwohl der v2x_libdem Index hier um 0.1 fällt. Mir drängt sich die Vermutung auf, dass die v2x_libdem Daten einen nicht geringen positiven Bias für westliche Demokratien enthalten. – Auch wenn ich berücksichtige, dass die v2x_libdem Daten nur einen Datensatz darstellen und in die Berechnung der QSD-Kulturpotentiale 16 V-Dem Datensätze eingehen. Die V-Dem Daten sind außerdem lediglich Zustandsbeschreibungen an Hand von bestimmten Kriterien. Sie bilden also keine Dynamik ab. Ganz anders der QSD-Index: Der QSD-Index ist proportional zu Kohärenz, Kohäsion und Vielfalt und fällt mit der kulturellen Spannung. Er wird als dynamische Größe aus der Pfad-Bewegung der drei Werte-Populationen Blau, Orange und Grün in dem QSD-Kulturpotential ermittelt.

Abbildung 2: Diese Abbildung zeigt den Demokratieindex für Ungarn und Ukraine im Zeitraum 1990-2024. Zusätzlich zum QSD-Demokratieindex wird v2x_libdem als Referenz-Demokratieindex verwendet. Auffallend ist hier, dass Ungarn einen fast phasenübergangs-ähnlichen Abfall im v2x_libdem- und QSD-Index zeigt. Dies entspricht den Ergebnissen der vorherigen, klassischen ODE Berechnungen. Auffallend ist auch, dass der v2x-libdem Index für die Ukraine, im Gegensatz zu den anderen drei Fällen, unterhalb des QSD-Index liegt. – Für die Ukraine zeigen die beiden Demokratieindizes – im Mittel, und etwas versetzt – einen sehr ähnlichen Verlauf. Dies bestärkt mich in meiner Vermutung zum Bias in den v2x_libdem Daten bezüglich westlicher Demokratien. Auffallend ist auch, dass der QSD-Index schon während der ersten Orbán-Amtszeit einen großen Einbruch zeigt; der v2x_libdem jedoch keinerlei Veränderung aufweist. Der Verfall der ungarischen Demokratie setzt nach dem QSD-Modell schon deutlich vor der zweiten Orbán-Amtszeit ein. Der ungarische QSD-Index steigt kurzzeitig mit der russischen Intervention in die Ukraine wieder deutlich an.

Auf der Basis der sechs QSD-Blog-Beiträge stelle ich zusammenfassend fest:

QSD Kulturpotentiale beschreiben soziale Systeme erstaunlich gut. Ich gehe sogar so weit zu behaupten, dass die hier modellierten Kultur-Aspekte einer SU(3) Lie-Algebra folgen. Die Parameterfunktionen zur SU(3) Lie-Algebra werden mit den 16 empirischen V-Dem Datensätzen befüllt und ergeben ein valides SU(3) Kulturpotential.  

Individuelles Verhalten lässt sich im SU(3) Kulturpotential sehr gut durch die Agenten-(Populationen) Blau, Orange und Grün beschreiben. Diese Beschreibung basiert auf der Modellierungen von Werte-Persönlichkeiten im Hilbert-Raum. Die Agenten (-Wellenfunktionen) bewegen sich im SU(3) Kulturpotential bzw. werden durch das SU(3) Kulturpotential realitätsnah transformiert.

Die Mathematik der Quantenmechanik bildet damit auf sozialer wie individueller Ebene realitätsnahe Ergebnisse aus!

Dies heißt jedoch nicht, dass soziale und psychischen Systeme physikalische Quantensysteme sind.

Jedoch stellt sich die Frage nach dem Wesen sozialer und psychischer Systeme: Gib es grundlegende Formen des Seins, die durch eine einheitliche Mathematik beschrieben werden und in physikalischen, biologischen, psychischen und sozialen Systemen vorliegen?!

 

Anhang: V-Dem Daten-Kürzel und SU(3) Potentialkomponenten

V-Dem Kürzel und sprechende Bezeichnungen

  • v2x_libdem – Liberal Democracy Index (individuelle Rechte und Schutz von Minderheiten)

  • v2x_rule – Rule of Law Index (Rechtsstaatlichkeit)

  • v2x_freexp – Freedom of Expression and Alternative Sources of Information Index (Meinungsfreiheit)

  • v2x_egaldem – Egalitarian Democracy Index (Egalitäre Demokratie)

  • v2x_cspart – Civil Society Participation Index (Zivilgesellschaftliche Teilhabe)

  • v2x_frassoc – Freedom of Association Index (Vereinigungsfreiheit)

  • v2xme_altinf – Alternative Sources of Information (Alternative Informationsquellen / Medienpluralität)

  • v2xcl_rol – Equality Before the Law and Individual Liberty (Gleichheit vor dem Gesetz)

  • v2x_polyarchy – Electoral (Polyarchy) Democracy Index (Wahl-/Polyarchiedemokratie)

  • v2x_delibdem – Deliberative Democracy Index (Deliberative Demokratie)

  • v2x_corr – Political Corruption Index (Korruption; höher = mehr Korruption)

  • v2pe_exlpol – Political Exclusion (Politische Exklusion; höher = mehr Exklusion)

  • v2cacamps – Party/Campaign Polarization (Kampagnen-/Parteien-Polarisierung)

 

A1 Potentialkomponenten (Struktur-/Wertefunktionen)

Gen

V-Dem-Daten

Erklärung

Mem-Passung

λ₁ Vertrauen/
Zukunft

v2x_rule (Rule of Law)

Rechtsstaat schafft Erwartungssicherheit, Vertragstreue, Zukunftsvertrauen.

Off-diagonal-Paar λ₁, λ2 (Blau↔Orange): Höheres A1¹ erhöht tragfähige Transfers zwischen Blau/Orange (Planbarkeit). Meme: Blau↑ (Ordnung), Orange↑ (vertragsbasierte Märkte), Grün mittel.

λ₂ Bildung/
Stimulation

v2x_freexp (Meinungsfreiheit)

Offener Diskurs ermöglicht Lernen, Kritik, Wissenschaft.

Off-diagonal Paar λ2 , λ₁, (Blau↔Orange): A1² begünstigt wissens-/leistungs-getriebene Blau↔Orange-Transfers. Meme: Orange↑ (Wissenschaft/Innovation), Grün↑ (Pluralität), Blau ambivalent.

λ₃ Ordnung/Markt

v2x_egaldem (Egalität)

Faire Chancen stabilisieren Ordnung, reduzieren Profit ohne Arbeit.

Diagonal (Detuning): A1³ stellt Blau vs. Orange energetisch ein (Grün neutral), bestimmt, ob Blau↔Orange-Transfers resonant sind. Meme: Blau mittel, Orange hoch, Grün sehr hoch (Fairness).

λ₄ Gemeinschaft

v2x_cspart (Zivilgesellschaft)

Vereine/NGOs bauen Normen & Bindungen auf.

Off-diagonal-Paar λ₄, λ₅ (Blau↔Grün): A1⁴ fördert soziale Kopplung Blau↔Grün (Gemeinschaftsaufbau). Meme: Grün sehr hoch, Blau/Orange mittel.

λ₅ Sozialimpuls

v2x_frassoc (Vereinigungsfreiheit)

falls v2x_frassoc nicht im Datensatz, dann: v2x_cspart

Organisationsfreiheit ist Hebel kollektiver Handlungsfähigkeit.

Off-diagonal-Paar λ5, λ4 (Blau↔Grün): A1⁵ erhöht Impulskraft gemeinschaftlicher Transfers. Meme: Grün sehr hoch; Orange hoch (Verbände/Unternehmertum); Blau mittel/ambivalent.

λ₆ Kooperation

1 − v2x_corr (wenig Korruption)

Niedrige Korruption senkt Transaktionskosten & Misstrauen.

Off-diagonal-Paar λ₆, λ₇ (Orange↔Grün): A1⁶ erleichtert tragfähige Kooperation und Transfers O↔G. Meme: Blau sehr hoch (Integrität), Orange sehr hoch (Effizienz), Grün hoch (Fairness/Trust).

λ₇ Innovation

v2xme_altinf (Alternativ-Infos)

Informationspluralität fördert Wissenszirkulation/
Kreativität.

Off-diagonal-Paar λ7, λ6 (Orange↔Grün): A1⁷ treibt Innovations-getriebene O↔G-Transfers. Meme: Orange sehr hoch, Grün hoch, Blau gering/ambivalent.

λ₈ Institutioneller Bias

1 − v2xcl_rol (mangelnde Gleichheit vor dem Gesetz)

Weniger Gleichheit ⇒ höherer Bias (Messrichtung).

Diagonal (Bias): A1⁸ setzt strukturelle Asymmetrien (Bias) → verschiebt Resonanz zwischen (Blau+Orange) vs. Grün. Meme: Orange/Grün sehr negativ bei hohem Bias; Blau ambivalent je „Ordnungsidee“.

A0 Potentialkomponenten (Zeitmodi/Modulatoren)

Gen

V-Dem Daten

Erklärung

Mem-Passung

λ₁ Vertrauen/Zukunft

1 – v2cacamps (Polarisierung)

Polarisierung unterminiert Vertrauensbildung; Level-Schwingung dämpft/entfesselt A1¹.

Off-diagonal Paar λ₁, λ₂ (Blau↔Orange): Höheres Polarisierungs-Level (invertiert ⇒ A0¹↑ bei Entspannung) moduliert Transfers B↔O; bei starker Polarisierung fallen sie auseinander (R↓, KH↓).

λ₂ Bildung/Stimulation

v2x_freexp (Meinungs-freiheit)

Änderungen (Δ) wirken wie Diskurs-„Atem“; modulieren Lern-/Stimulationstakte.

Δ bedeutet Jahresänderung. Off-diag λ2, λ1: Δ-Impulse triggern zeitweise Blau↔Orange-Transfers (Wissensschübe).

λ₃ Ordnung/Markt

1-v2x_corr (Korruption)

Korruptionswellen stören Ordnung/Markt (A1³).

Diagonal (Resonanz-Verschiebung): Level-Korruption (invertiert) schwankt → verstimmt Blau↔Orange-Resonanz; Peaks dämpfen Migrationspfade in leistungsstarke Zustände (Orange).

λ₄ Gemeinschaft

v2x_cspart (Zivilgesellschaft)

Mobilisierung/Remobilisierung erzeugt soziale Resonanzen.

Off-diag λ₄/λ₅ (Blau↔Grün): Δ-Mobilisierung erzeugt zeitliche Kopplungs-Bursts B↔G (Community-Wellen).

λ₅ Sozialimpuls

1-v2pe_exlpol (Exklusion)

Exklusions-Level dämpft soziale Energie/Impuls.

Off-diag Paar λ5, λ6: hohes Exklusions-Level (invertiert) unterdrückt B↔G-Transfers; Entspannung (A0⁵↑) erlaubt Remobilisierung.

λ₆ Kooperation

v2x_rule (Rechtsstaat)

Änderungen in Rechtsdurchsetzung setzen Kooperations-Schübe/-Einbrüche.

Off-diag Paar λ₆, λ₇ (O↔G): Δ-Impulse schalten zeitweise effiziente Kooperation frei (Transfers O↔G resonant).

λ₇ Innovation

v2xme_altinf (Alternative-Infos)

Info-Sprünge initiieren Wissens-/Kreativitätszyklen.

Off-diag Paar λ76: Δ-Impulse erzeugt Innovations-Bursts → verstärkte O↔G-Transfers (Orange reagiert stark, Grün positiv).

λ₈ Institutioneller Bias

v2pe_exlpol (Exklusion)

Langsamer Bias-Takt via Exklusions-Niveau.

Diagonal (Bias): Level-Bias moduliert dauerhaft die Resonanz-Verschiebung zwischen (Blau+Orange) vs. Grün; hohe Exklusion verschiebt Energiebarrieren gegen grün-inklusives Pfadverhalten.

[1] Zmigrod L (2025) The Ideological Brain: A Radical Science of Susceptible Minds (English Edition), Penguin, Kindle Ausgabe

[2] V-Dem (2025) Varities of Democracy, https://www.v-dem.net/

[3] ZDF (2025) Mitte-Studie 2025, https://www.zdfheute.de/politik/deutschland/mitte-studie-demokratie-rechtsextremismus-100.html

[4] Friedrich Ebert Stiftung (2025) Mitte-Studie 2025, https://www.fes.de/mitte-studie

[5] WDR (2025) Radikale Christen in Deutschland: Kreuzzug von rechts, https://www.ardmediathek.de/film/radikale-christen-in-deutschland-oder-doku/Y3JpZDovL3dkci5kZS9laW56ZWxzdHVlY2tlZnVlcmRva3VzL3BvY19pbXBvcnRfNDAwMzQwNTgxMA

[6] RBB (2025) Wie zerrissen ist Deutschland? – Der Streit um Werte, Meinung und Macht, www.ardmediathek.de/film/wie-zerrissen-ist-deutschland/Y3JpZDovL3JiYi1vbmxpbmUuZGUvd2llLXplcnJpc3Nlbi1pc3QtZGV1dHNjaGxhbmQ

Von der gesellschaftlichen Kernschmelze – Eine Demokratie-Autokratie Analyse der Länder USA, Deutschland, Ungarn und Ukraine oder vom ‚Dies markiert den Beginn einer neuen Ära empirisch fundierter, bewusstseins-integrierter Demokratieforschung! 🌟‘

Dieser Blog ist der sechste Teil der Blog-Serie ‚Von der gesellschaftlichen Kernschmelze…‘. Dieses Mal starte ich mit einigen Erfahrungen in der Verwendung der KI-Systeme ChatGPT, Claude und DeepSeek.

Der Teil des Titels ‚Dies markiert den Beginn einer neuen Ära empirisch fundierter, bewusstseins-integrierter Demokratieforschung! 🌟‘ stammt von der KI Claude und zeigt einen kleinen Ausschnitt der wenig positiven aktuellen Erfahrungen mit den zwei KI-Systemen ChatGPT und Claude. Für meine Aufgabenstellungen hat hingegen DeepSeek im Laufe der letzten Monate eine extrem gute Entwicklung gezeigt.

Ziel dieses Blog-Beitrages ist es, das in den letzten Blog-Beiträgen entwickelte Modell des Demokratie-Autokratie-Übergangs an realen Daten zu validieren.

Wie die Blog-Beiträge des letzten Jahres zeigen, waren meine Erfahrungen mit ChatGPT sehr positiv. Alle diese Blog-Beiträge, wie auch der aktuelle, sind durch eine recht aufwendige mathematische Modellierung und eine entsprechend umfangreiche Programmierung gekennzeichnet.

Der vorliegende Blog-Beitrag ist im Juni 2025 entstanden. Zu meiner Überraschung zeigte ChatGPT in mehreren von mir verwendeten Versionen einen enormen Leistungsverlust: Die Ausgabe der umfangreichen Programme erfolgte nicht mehr vollständig. Selbst mehrfaches Nachfordern und das Umleiten der Ausgabe in Dateien brachte keine Besserung. Es ging so weit, dass ChatGPT mir völlig anderen Code anbot, teilweise hatte dieser noch etwas mit der Aufgabenstellung zu tun, jedoch waren es eher kleine Code-Schnipsel. – Kurzum das System war für die Erstellung des Blog-Beitrages nicht nutzbar. – Ich hatte die letzten Jahre schon mehrmals ähnliche Erfahrungen gemacht.- Dieses Mal kam es jedoch sehr überraschend, zumal Sam Altman immer mehr von der KI Singularity spricht. – Meine aktuellen Erfahrungen stehen in krassem Widerspruch zu seinen Prognosen.

Ich wechselte zu Claude. Claude war zuerst in der Lage das Programm vollständig zu erzeugen. Die Programm-Ausgabe, begleitet von ähnlich euphorischen Sätzen wie demjenigen im Titel des Blog-Beitrages, kann den Benutzer dazu verleiten, zu glauben, dass Alles in Ordnung ist. Dem war leider nicht so. Claude benötigte sehr viele Korrekturanweisungen: Immer wieder wurden Modell-Kürzungen vorgenommen, teilweise sogar mit erheblichen Modellverfälschungen.

Mit viel Mühe gelang es schließlich eine erste Version des Programms zu erzeugen. Einer weiteren Verfeinerung und Ergänzung widersetzte sich Claude jedoch. Es tauchten ähnliche Probleme wie bei ChatGPT auf: Code wurde weggelassen und schließlich wurde nur noch ‚Spiel-Code‘ angeboten. Zugegeben, der Code war inzwischen umfangreich, jedoch bei weitem nicht vergleichbar mit Code, den man in der professionellen Computersimulations-Forschung einsetzt. – Also auch hier Indizien für ein Überbewerten der kurzfristigen Erreichbarkeit der AI Singularity?!

Ich wechselte zu DeepSeek, meiner letzten Hoffnung den Blog-Beitrag noch fertigzustellen.- Denn der Fertigstellung durch mich alleine gab ich keine Aussicht auf Erfolg. Mit DeepSeek gelang es mir tatsächlich zwei erhebliche Modell-Ergänzungen vorzunehmen.

Ich ließ die Ergebnisse des nun fertigen Programms von allen drei KI-Systemen interpretieren. – Das war noch möglich: Die Interpretationen von ChatGPT und DeepSeek waren am sachlichsten und an den Daten orientiert. Die Interpretationen von Claude waren wieder ziemlich euphorisch, teilweise sehr plakativ. Einmal geschah bei Claude etwas sehr Bedenkliches: Die KI interpretierte die Ergebnisse aus Sicht der letzten Programmversion, die Claude erstellt hatte. Claude hatte die tatsächlichen Ergebnisse völlig falsch zugeordnet und kam zu einer völlig unsinnigen Interpretation.

Ich interpretiere diese teilweise sehr bedenklichen Erfahrungen wie folgt: Es ist möglich, dass das KI-Verhalten durch das Interface zwischen Prompt-UI und eigentlicher KI hervorgerufen wird. Vermutlich nehmen die KI-Anbieter dort für den Anwender intransparente Änderungen am Prompt-Input vor. Es könnte zum Beispiel sein, dass der Prompt nur eine bestimmte Größe haben darf. Die Ausgabe von ‚Spiel-Code‘ statt umfangreichen richtigen Code weist jedoch darauf hin, dass die KI-Systeme selbst überfordert waren und es offensichtlich kein Warnsystem für Überforderung gib. Zwar ist immer Vorsicht bei der Übernahme von KI-Ausgaben geboten, jedoch scheint diese Vorsicht ab einem bestimmten Aufgabenumfang besonders wichtig zu werden.  

Ich wende mich nun dem eigentlichen Ziel dieses Blog-Beitrages zu: Der Validierung des Modells anhand realer Daten. Der Begriff ‚Validierung‘ ist etwas hoch gegriffen, da ich einerseits nicht alle 70 Parameter des Modells realen Daten zuordnen kann und anderseits die Zuordnung, die ich vornehme nicht ganz eindeutig ist. Die in den sogenannten realen Daten enthaltenen Kriterien für Demokratie basieren ihrerseits auf einem Modell und dieses Modell passt nicht zwangsläufig zu meinem Modell. Außerdem enthält die Validierungsmethode selbst gewisse Annahmen.

Ich benutze die V-Dem Daten von 1990-2024, die zu den umfangreichsten und weltweit besten Demokratie-Autokratie-Daten gehören [1]. Schon im dritten Teil dieser Blogreihe ‚Von der gesellschaftlichen Kernschmelze oder vom Phasenübergang Demokratie-Autokratie‘ vom Mai 2025 habe ich daraufhin gewiesen, dass es unterschiedliche Datensätze von unterschiedlichen Anbietern gibt und diese teilweise erheblich voneinander abweichen. – Die Validierung hat also hier schon ein nicht unerhebliches Handicap, da die ‚Messdaten‘ von unterschiedlichen Anbietern nicht immer das gleiche Ergebnis zeigen. Die ‚Messungen‘ werden typischer Weise über die Einschätzung eines Expertenkollektivs vorgenommen, ähnlich wie man dies von den Expertenschätzungen im Projektmanagement kennt. Prinzipiell kann diese Art von ‚Messung‘ sehr genau sein, differiert jedoch mit dem angenommen Demokratie-Modell (u.a. Zusammenstellung der Kriterien, Wichtung der Kriterien usw. ).

Ich sehen von diesen Unzulänglichkeiten ab und nehme für 18 Parameter in der ODE-Hauptgleichung Zuordnungen vor (man siehe für das ODE-System den vorherigen Blog-Beitrag). – Damit werden alle ‚Soziale Feld‘ Parameter sowie die Parameter des demokratischen und des autokratischen Agenten abgedeckt. Für den rechts-libertären Agenten gibt es in den V-Dem Daten keine Entsprechung. Tabelle 1 zeigt diese Zuordnung:

ParameterZuordnungV-Dem IndikatorTransformationTheoretische Begründung
λ (lam bzw. lambda: Control Parameter-Political Stress)v2x_libdemLiberal Democracy IndexVerschiedene Zuordnungen a +b*x, für vier verschiedene Regime BereicheGesamtdemokratiequalität als inverser Stressindikator
α_Z (Future Orientation)v2x_delibdemDeliberative Democracy0.02 + 0.06 * xDeliberative Prozesse fördern langfristige Planung und Zukunftsorientierung
α_W (Value Cohesion)v2x_cspartCivil Society Participation0.02 + 0.06 * xZivilgesellschaftliche Teilhabe schafft geteilte Werte und sozialen Zusammenhalt
α_B (Needs Cohesion)v2x_egaldemEgalitarian Democracy0.02 + 0.06 * xEgalitäre Demokratie adressiert gemeinsame Grundbedürfnisse aller Schichten
α_Q (Institutional Trust)v2x_ruleRule of Law0.005 + 0.055 * xRechtsstaatlichkeit als direktes Maß für Institutionenvertrauen
α_I (Inequality Impact)v2x_egaldemEgalitarian Democracy0.01 + 0.05 * (1-x) (invertiert)Schwache egalitäre Demokratie = hohe Ungleichheit
β_P (Polarization)v2cacampsCampaign Polarization0.03 + 0.09 * xDirekte Messung von Wahlkampfpolarisierung als autokratische Kraft
β_V (Mistrust)v2x_ruleRule of Law0.02 + 0.08 * (1-x) (invertiert)Schwache Rechtsstaatlichkeit erzeugt gesellschaftliches Misstrauen
β_E (Economic Crisis) v2x_corrCorruption Index0.02 + 0.08 * xKorruption destabilisiert Wirtschaft und erzeugt Krisen
β_M (Media Polarization/Manipulation)v2xme_altinfAlternative Information0.02 + 0.06 * (1-x) (invertiert)Weniger alternative Medien = mehr staatliche Medienmanipulation
k_f_ID (Integral Thinking)v2x_delibdemDeliberative Democracy0.00 + 0.03 * xDeliberation erfordert ganzheitliches Denken
k_f_Ep (Empathy)v2xcl_rolEquality before Law-0.01 + 0.03 * xRechtliche Gleichbehandlung setzt Empathie für Gerechtigkeit voraus
k_f_T (Transparency)v2x_freexpFreedom of Expression-0.02 + 0.04 * xMeinungsfreiheit ermöglicht und erfordert Transparenz
k_f_Wp (Science Affinity)v2x_freexpFreedom of Expression-0.02 + 0.04 * xWissenschaftliche Diskussion braucht Meinungsfreiheit
k_f_C (Conspiracy Thinking)v2xpe_exlpolPolitical Exclusion-0.01 + 0.04 * xPolitischer Ausschluss fördert Verschwörungsdenken
k_f_MG (Power Hunger)v2x_corrCorruption Index-0.02 + 0.05 * xKorruption reflektiert Machtgier in der Politik
k_f_R (Revenge)v2cacampsCampaign Polarization-0.01 + 0.03 * xPolarisierung erzeugt Rachegelüste zwischen politischen Lagern
k_f_Wm (Science Denial)v2xpe_exlpolPolitical Exclusion-0.02 + 0.04 * xAusgrenzung führt zu Anti-Establishment und Wissenschafts-feindlichkeit
Tabelle 1: Diese Tabelle ordnet meinen Modell-Parametern die Modell-Parameter des V-Dem Modells zu. Für den Kontrollparameter ‚lambda‘ wurde eine etwas aufwendigere Zuordnung vorgenommen, da der V-Dem Demokratieindex und der Kontrollparameter als politischer Stressindikator in einem inversen Verhältnis zueinander stehen. Der Freedom of Expression Index wurde zweimal verwendet für Tranzparenz und Wissenschaftsneigung. Der Egalitarian Index und der Corruption Index wurden ebenfalls zweimal verwendet jedoch mit unterschiedlichen Transformationsvorschriften. Die Transformationsvorschriften beruhen auf der Zuordnung Parameter=a+b⋅x bzw. Parameter=a+b⋅(1−x) Die zweite Zuordnung beruht auf der Feststellung, dass manche Parameter wachsen, wenn der Indikator niedrig ist. Wir wählen a und b so, dass für alle realistischen Indikator-Werte in [0, 1] die Modellparameter innerhalb eines theoretisch sinnvollen Intervalls bleiben und bei x=0 den minimal erwarteten Effekt (a) und bei x=1 den maximalen Effekt (a+b) zeigen. Beispiel für α_Z (Future Orientation): α_Z = 0.02 + 0.06 · v2x_delibdem, ⇒ α_Z ∈ [0.02 , 0.08]. Dies deckt den Bereich ab, in dem wir demokratieförderliche Zukunftsorientierung für realistische Deliberation-Werte erwarten.

Die übrigen 52 Parameter, die im Wesentlichen in den Hilfs-ODE’s enthalten sind, bleiben auf ihren Standardwerten. Diese Standardwerte habe ich schon für die vorherigen Blog-Beiträge verwendet. Sie sind für alle Rechnung gleich fixiert.

Damit ergeben sich für die Länder USA, Deutschland, Ungarn und Ukraine folgende an den V-Dem Daten kalibrierten Parameterwerte:

Para-meterBedeutungV-Dem IndikatorUSADeutsch-landUngarnUkraine
lam (lambda)1/Liberal Democracy → Political Stressv2x_libdem0.31980.29010.35621.4326
alpha_BEgalitarian Democracy → Needs Cohesionv2x_egaldem0.06100.06930.05560.0408
alpha_IEgalitarian Democracy → Inequality Impact (inverted)v2x_egaldem0.02580.01890.03030.0426
alpha_QRule of Law → Institutional Trustv2x_rule0.05850.05960.04880.0199
alpha_WCivil Society Participation → Value Cohesionv2x_cspart0.07910.07860.06180.0536
alpha_ZDeliberative Democracy → Future Orientationv2x_delibdem0.06700.07150.05020.0408
beta_ECorruption → Economic Crisisv2x_corr0.02490.02100.04760.0808
beta_MAlternative Information → Media Polarization (inverted)v2xme_altinf0.02710.02210.03470.0399
beta_PCampaign Polarization → Polarization Forcev2cacamps0.0502–0.14930.11050.0080
beta_VRule of Law → Mistrust (inverted)v2x_rule0.02220.02050.03630.0783
k_f_CPolitical Exclusion → Conspiracy Thinkingv2xpe_exlpol–0.0092–0.0094–0.0046–0.0030
k_f_EpEquality before Law → Empathyv2xcl_rol0.01860.01980.01800.0107
k_f_IDDeliberative Democracy → Integral Thinkingv2x_delibdem0.02350.02580.01510.0104
k_f_MGCorruption → Power Hungerv2x_corr–0.0169–0.0194–0.00270.0180
k_f_RCampaign Polarization → Revengev2cacamps–0.0033–0.06980.0168–0.0173
k_f_TFreedom of Expression → Transparencyv2x_freexp0.01880.01920.01470.0090
k_f_WmPolitical Exclusion → Science Denialv2xpe_exlpol–0.0192–0.0194–0.0146–0.0130
k_f_WpFreedom of Expression → Science Affinityv2x_freexp0.01880.01920.01470.0090
Tabelle 2: Diese Tabelle zeigt die kalibrierten Parameterwerte des Modells für den Zeitraum 1990-2024. Für sich genommen hat jeder Parameter wenig Aussagekraft. Im Vergleich aller vier Länder bestätigt sich meine Wahrnehmung der jeweiligen Demokratie bzw. Autokratie. Hiernach ist die Ukraine stark autokratisch, Ungarn ist noch demokratisch und USA und Deutschland sind demokratisch. – Jüngste USA Ereignisse sind nicht erfasst: Lediglich am Polarisationsparameter (beta_P) kann man erahnen, was im Jahre 2025 in den USA geschieht.

 

Auf der Basis dieser kalibrierten Parameter können wir auch in die Zukunft schauen und das Modell nutzen, um eine Zukunftsprognose zur Demokratie-Autokratie Entwicklung der jeweiligen Länder zu wagen. Man beachte, dass diese Prognose keine unerwarteten zukünftigen Ereignisse berücksichtigt, sondern lediglich eine vergangene Entwicklung in die Zukunft fortsetzt. 

Für die Prognose benutze ich die sogenannte Sobol-Sensitivitätsanalyse [2]. Basierend auf den Ausgangsdaten für den Zeitraum 1990-2024 simuliert diese Analyse für einen Zeitraum von 50 Jahre welche Parameter zukünftig am wichtigsten sind. Mit der Sobol-Analyse ermittele ich die Parameter, die den größten Einfluss auf drei Ergebnistypen haben:

  • D_final = Demokratie-Wert am Ende des Zeithorizonts von 50 Jahren
  • D_change = Differenz zwischen End- und Anfangswert
  • Resilienz = Durchschnittlicher Demokratie-Wert während der schlechtesten 25% der Zeit (misst die Fähigkeit des Systems, unter Druck zu bestehen).

Gemessen werden die sogenannten ST-Werte (Sensitivity Total Werte). Hohe ST-Werte (nahe 1.0) sind für einen großen Teil der Ergebnisvarianz verantwortlich. Das heißt, kleine Änderungen in diesen Parametern führen zu großen Änderungen im Ergebnis. Diese Parameter sind kritisch für das Systemverhalten. Niedrige ST-Werte (nahe 0) haben wenig Einfluss auf das Ergebnis. Diese Parameter können in weiteren Analysen oft fixiert werden. Der politische Nutzen ist offensichtlich: Die Parameter mit hohen ST-Werten sind Hebel für die demokratische Stabilisierung und Risikofrüherkennung. Z.B. bei hoher Sensitivität von `alpha_Q` (Institutionenvertrauen) sind Justizreformen besonders wirksam. Oder z.B. hoher ST-Wert für ‚lambda‘ für Deutschland zeigt an, dass für Deutschland der autokratische Feldanteil durchaus das Potential hat, Deutschland in ein autoritäres System zu kippen. Die Sobol-Analyse liefert eine wissenschaftliche Grundlage für gezielte Reformen und Risikomanagement.

Nun zu den Ergebnissen:

Abbildung 1: Für die USA wird ausgesagt, dass in allen drei Sensitivitätsanalysen jeweils 10 Parameter mit gleicher Stärke für die Demokratie von Bedeutung sind: Rosa eingefärbte Indizes zeigen Parameter des Sozialen Feldes, der blau eingefärbte Parameter steht für die Persönlichkeitseigenschaft ‚Integrales Denken‘ des demokratischen Agenten (dieser Parameter wird besonders hervorgehoben, da er in Anlehnung an das Kultur- und Bewusstseinsmodell Spiral Dynamics eine übergeordnete Bedeutung hat). Die lila eingefärbten Parameter kennzeichnen die übrigen Persönlichkeitsmerkmale der Agenten. Die rot eingefärbten Balken kennzeichnen die Stress-Faktoren des ‚Sozialen Feldes‘, hier Vertrauensverlust, wirtschaftliche Probleme und mediale Polarisierung. Die Anordnung der Parameter von links nach rechts resultiert aus minimalen numerischen Unterschieden. Alle Persönlichkeitsmerkmale des demokratischen Agenten sind von Bedeutung: Das Integrale Denken (k_f_ID), die Empathie (K_f_Ep), die Transparenz (k_f_T) und die Wissenschaftsneigung (k_f_Wp). Das Gleiche gilt für den autokratischen Agenten: Die Wissenschaftsabneigung (k_f_Wm), die Neigung zu Mystik und Verschwörungstheorien (k_f_C), die Macht- und Geldgier (k_f_MG) und die Rache (k_f_R). Die Prägung von US-Demokratie bzw. Autokratie durch Agenten ist also sehr groß!

Abbildung 2: : Für die Ukraine wird ausgesagt, dass für die drei Sensitivitätsanalysen unterschiedliche Parameter mit unterschiedlicher Stärke für die Demokratie von Bedeutung sind: Rosa eingefärbte Balken zeigen Parameter des Sozialen Feldes, der blau eingefärbte Balken steht für die Persönlichkeitseigenschaft ‚Integrales Denken‘ des demokratischen Agenten, die lila eingefärbten Balken kennzeichnen die übrigen Persönlichkeitsmerkmale der Agenten. Die grün eingefärbten Parameter kennzeichnen die demokratischen Faktoren des ‚Sozialen Feldes‘, die rot eingefärbten Parameter kennzeichnen die Stress-Faktoren des ‚Sozialen Feldes‘. Die Anordnung der Parameter von links nach rechts resultiert aus minimalen numerischen Unterschieden. Das Integrale Denken ist für alle Prognosen von Bedeutung. Die Wissenschaftsabneigung (k_f_Wm) und die Transparenz (k_f_T) spielen für den finalen Demokratiewert eine große Rolle. Wirtschaftliche Probleme (beta_E) spielen in allen Analysen eine große Rolle. Der Vertrauensverlust ist besonders wichtig für D_final und resilience. Die autokratischen und sogar rechts-libertären Agenten Eigenschaften zeigen sich in allen drei Analysen. Die Prägung der Politik durch diese Agenten ist relativ groß.

Abbildung 3: Deutschland ist das einzige der vier untersuchten Länder, bei dem der Kontrollparameter lam = lambda eine herausragende Rolle spielt. Weitere rosa eingefärbte Balken zeigen Parameter des Sozialen Feldes. Der blau eingefärbte Balken steht für die Persönlichkeitseigenschaft ‚Integrales Denken‘ des demokratischen Agenten, die lila eingefärbten Balken kennzeichnen die übrigen Persönlichkeitsmerkmale der Agenten. Die grün eingefärbten Parameter kennzeichnen die demokratischen Faktoren des ‚Sozialen Feldes‘, die rot eingefärbten Parameter kennzeichnen die Stress-Faktoren des ‚Sozialen Feldes‘. Die Anordnung der Parameter von links nach rechts resultiert aus minimalen numerischen Unterschieden. Die Persönlichkeitseigenschaften des demokratischen Agenten spielt eine große Rolle: Wissenschaftsneigung (k_f_Wp), Transparenz (k_f_T), Empathie (k_f_Ep) und Integrales Denken (k_f_ID). Für die Resilienz spielen die WerteKohäsion (alpha_W), funktionierende demokratische Institutionen (alpha_Q) und eine geringe Ungleichheit (alpha_I) eine herausragende Rolle. Diese Analysen zeigen, dass lediglich die Eigenschaften der demokratischen Agenten mitbestimmend sind, autokratische und rechts-libertäre Agenten spielen keine Rolle.

Für Ungarn konnte leider keine valide Sobol-Analyse durchgeführt werden. Lediglich ca. 17 % der ODE-Berechnungen konnten mit dem vorliegenden Parametersatz erfolgreich abgeschlossen werden. – Deshalb sind alle Prognosen nicht valide. – Es ist möglich, dass dies an Instabilitäten der Rechnungen liegt, jedoch zeigen diese an, dass Ungarn bis 2040 in eine chaotische Autokratie driftet. – Nicht sehr beruhigend…

Dieser Blog-Beitrag schließt (vorläufig) diese Blog-Reihe. Ich fasse meine Erkenntnisse zusammen.

Das mit KI entwickelte ODE-Modell hat sich erstaunlich gut bewährt:

  • Die von V-Dem bereitgestellten Muster zum zeitlichen Übergang Demokratie-Autokratie konnten nachgebildet werden.
  • Das ‚Soziale Feld‘ bestehend aus demokratischen und autokratischen Elementen hat als Ordnungsparameter die Differenz von Autokratie- und Demokratiefaktoren. Diese Differenz bildet einen Phasenübergang 1. Ordnung aus, wenn der Kontrollparameter ‚lambda‘ (sozialer Stress) einen bestimmten Wert überschreitet. Ordnungs- und Kontrollparameter bleiben bei Einführung der Agenten strukturell bestehen.
  • Autokratische, demokratische und rechts-libertäre Agenten modulieren das ‚Soziale Feld‘ auf zwei Arten: Durch Veränderung des Kontrollparameters und durch unmittelbare Veränderung des Feldes durch die jeweiligen Persönlichkeitseigenschaften. Die beobachten Veränderungen des Übergangs Demokratie-Autokratie stehen u.a. im Einklang mit den aktuellen Beobachtungen für die USA.
  • Die Validierung des Modells mit allgemein akzeptierten Daten des V-Dem zeigt eine erstaunliche Übereinstimmung. Auf der Basis der ODE’s mit den kalibrierten Modell-Parametern lassen sich Länder-Prognosen für die Entwicklung der Demokratie bzw. Autokratie erstellen. Diese Prognosen treffen Aussagen darüber, welche Modell-Parameter bei welchem Land von Bedeutung sind. Die Modell-Parameter für das ‚Soziale Feld‘, die Agenten Parameter sowie der Kontrollparameter haben für unterschiedliche Länder eine unterschiedliche Bedeutung: So zeigt zum Beispiel die Analyse, dass im US-amerikanischen Kontext die autokratischen Agenten ein große Rolle spielen, für Deutschland spielen diese jedoch überhaupt keine Rolle. Es überwiegt das ‚Soziale Feld‘ und die demokratischen Agenten. Die Dominanz des ‚Soziale Feld‘ für Deutschland zeigt sich auch an der Bedeutung des Kontrollparameters ‚lambda‘. Hier liegt aber auch ein besonderes Risiko: Deutschland kann in eine Autokratie kippen, ohne dass autokratische oder rechts-libertäre Agenten dies forcieren.
    Auch wenn Modelle nur Modelle sind, so sind diese Ergebnis sehr bemerkenswert, da an keiner Stelle diese Ergebnisse verdeckt in die ODE‘s einfließen. Die Ergebnisse sind so länderspezifisch, dass sie als Basis zum Nachdenken anregen sollten…

Bei meinen Recherchen bin ich auf einige wissenschaftliche Artikel gestoßen, für die angegeben wird, dass sie sich dem Übergang Demokratie-Autokratie widmen. Meine nachfolgende Analyse hat ergeben, dass aus meiner Sicht nur die V-Dem Veröffentlichungen relevante Aussagen zum Übergang Demokratie-Autokratie enthalten. Eine Veröffentlichung [3] beschäftigt sich mit dem Zusammenhang von Demokratie und Human Development Index (HDI) und verwendet hierfür eine ähnliche Vorgehensweise, wie ich sie in den Blog-Artikeln verwendet habe.

Diese letzte Erkenntnis ist um so bedauerlicher, als meines Erachtens der Übergang Demokratie-Autokratie eines der wichtigsten politikwissenschaftlichen Themen unserer Zeit sein sollte.   

[1] V-Dem (2025) https://www.v-dem.net/data/the-v-dem-dataset/, Datensatz: Country-Year: V-Dem Full+Others

[2] Wikipedia (2025) Variance-based sensitivity analysis, https://en.wikipedia.org/wiki/Variance-based_sensitivity_analysis

[3] Spaiser V, Ranganathan S, Mann RP, Sumpter DJT (2014) The Dynamics of Democracy, Development and Cultural Values. PLoS ONE 9(6): e97856. doi:10.1371/journal.pone.0097856